STARLIGHT UNION

Der phantastische
Bücherbrief


Januar 2018 unabhängig kostenlos Ausgabe 652

Der phantastische

Bücherbrief
für Phantastik / Krimi / Thriller / Jugendbücher


Januar 2018 unabhängig kostenlos Ausgabe 652

Jack Ketchum

10.11.1946 – 24.01.2018

wie auf der Seite Phantastiknews.de zu lesen war, ist am 24.01.2018 Dallas Mayr alias Jack Ketchum gestorben. Ketchum besuchte das Emerson College. Er ist ein ehemaliger Schauspieler, Sänger, Lehrer, Literaturagent, Handelsvertreter. Er wurde 1946 in Livingston, New Jersey, geboren. „Jack Ketchum“ ist ein Pseudonym und daraus machte Dallas William Mayr nie ein Geheimnis. Als eine Romandebüt OFF SEASON 1980 (an anderen Stellen 1979), zu deutsch Jagdzeit, erschien, war er auf die Kritik des Blattes VILLAGE VOICE stolz, die dieses Buch als Gewaltpornografie abstempelte. Im Jahre 2006 wurde er das erste Mal in Deutschland veröffentlicht, mit dem Roman EVIL. Nun ist der Thriller-Autor im Alter von 71 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben.

Pseudonyme:
Jerzy Livingston, Jack Ketchum

www.jackketchum.net
Ursula K. Le Guin

21.10.1929 – 22.01.2018

Die US-amerikanische Schriftstellerin Ursula K. Le Guinist am Montag im Alter von 88 Jahren gestorben. Zu ihren bekanntesten Romanen zählten WINTERPLANET der aus dem HAINISH-Zyklus stammt sowie PLANET DER HABENICHTSE der in Deutschland bei anderen Verlagen unter DIE ENTEIGNETEN und FREIE GEISTER erschien.

Am 21.10.1929 in Berkeley, Kalifornien als Tochter des berühmten Anthropologen Dr. Alfred Kroeber Quinn und seine Frau Theodoara Kracaw geboren. Ursulas Mutter war ebenfalls Anthropologin und schrieb nebenbei Kindergeschichten, während ihr Vater der Chef der Antropologie Abteilung der Berkeley-Universität war. Ursula K. Le Guin wuchs in einer akademischen Familie mit drei älteren Geschwistern auf. Nach der High School ging sie an die Ostküste und studierte Literatur am Radcliffe College in Cambridge, wo sie 1951 den Bachelor machte. 1947 begann sie französische und italienische Geschichte zu studieren, insbesondere die Renaissance. Ab 1952 folgte ihr Master in romanischen Sprachen an der Columbia Universität. Während ihrer Studienzeit in Frankreich lernte Sie ihren Mann, den Historiker Charles Le Guin in Frankreich kennen. 1953 heiratete sie und gab den Gedanken an eine Dissertation auf. Mit ihrem Mann hatte sie zwei Töchter, 1957 und 1959 geboren, sowie 1964 einen Sohn. Sie gehört zu den Autorinnen der Phantastik, die in Amerika die meisten Preise erhielt. Seit 1951 schrieb sie Gedichte, sowie einige Romane, für die sie zunächst keinen Verlag fand. Derweil unterrichtete sie Französisch an der Mercer University in Macon, Georgia, und an der University of Idaho in Moscow. 1955 war sie stellvertretender Fachbereichsleiterin an der Emory University in Atlanta. Ab 1958 zogen sie an die Westküste, weil ihr Mann an der Portland State Universität unterrichtete.
Ihre erste Erzählung veröffentlichte sie in den 60er Jahren. 1966 veröffentlichte sie ihren ersten Roman. Ihren Durchbruch erzielte sie im September unter dem Titel April in Paris im Magazin FANTASTIC STORIES OF IMAGINATION. Ihr erster Roman, Rocannon’s World erschien 1966. Der wirklich erfolgreichste und beeindruckendste Roman (für mich als Rezensent) war jedoch der 1972 erschienene The word for world is forest, auf deutsch: Das Wort für Welt ist Wald. Für diesen Roman erhielt sie den Hugo Award.
Sie erhielt für THE LEFT HAND OF DARKNESS zu deutsch WINTERPLANET den Nebula und den Hugo Award gleichzeitig, was vorher noch niemanden gelang. 1974 erschien der mehrfach aufgelegte PLANET DER HABENICHTSE. Hier entwirft sie eine grosse Utopie der Anarchisten: keine Herrschaft, keine sozialen Unterschiede, nur Nächstenliebe und Freiheit – in Armut.
Ursula K. Le Guin starb am 24. Januar 2018. Als Autorin werde ich sie vermissen.


Deutsche Phantastik
Die Chroniken von Azuhr
Bernhard Hennen Der Verfluchte Fischer Tor Verlag
Jörg Benne Dämonengrab Mantikore Verlag
Jörg Benne Die Stunden der Helden Mantikore Verlag
Elea Brandt Opfermond Mantikore Verlag

Internationale Phantastik

Die Getreuen und Gefallenen
John Gwynne Jähzorn Blanvalet Verlag
Der Nekromant
M. R. Forbes Totenkult Mantikore Verlag
Jerry Pournelle und Larry Niven Komet - Der Einschlag Mantikore Verlag
G. Willow Wilson Alif der Unsichtbare Fischer Tor Verlag
Becky Chambers Zwischen zwei Sternen Fischer Tor Verlag


Deutsche Phantastik

DIE CHRONIKEN VON AZUHR
Bernhard Hennen DER VERFLUCHTE
Titelbild: Bilderdienst farbige Karte: Markus Weber
Fischer Tor 29726 (12/2017) 570 Seiten 16,99 €
ISBN: 978-3-596-29726-9 (Klappbroschur)
www.fischerverlage.de

Mal gleich zu Anfang, das Buch gefällt durch die Klappbroschur und der farbigen Karte auf der Innenseite des Umschlags. Da macht allein schon die Karte neugierig auf die Geschichte in dieser Welt. Der farbige Buchschnitt ist mir immer etwas suspekt, oft ist die verwendete Farbe nicht Benutzerfreundlich und fühlt sich schlecht an.
Bernhard Hennen schafft einen spannenden Auftakt einer Fantasy-Welt, die mir jedoch der Namen wegen, immer wieder andere Assoziationen beschert. Azuhr, mit blauem Buchschnitt, weist auf die Farbe blau hin. Gleichwohl auch andere Begrifflichkeiten italienisch angehaucht sind. Mit interessanten Ideen, faszinierenden Charakteren und vielen Handlungssträngen lässt er die Leser am Ende allein stehen, auf den nächsten Band hinfiebernd.
Bernhard Hennen schreibt flüssig und gibt nur soviel Preis, die Welt zu verstehen, ohne sie genau zu beschreiben. So bleibt dem Leser, wie einem Expeditionsteilnehmer, die Erforschung einer fremden Welt, mit dem Unterschied, dass man als Entdecker eigentlich ein unsichtbarer Begleiter ist. Der Leser steht quasi als Schatten immer zwischen den Handlungsträger. In guten wie in schlechten Tagen.
Die Insel Cilia wird lebendig beschrieben und die Bevölkerung wächst einem ans Herz. Bernhard gelingt es, die angesiedelten Städte und Orte liebenswert zu beschreiben und die Charaktere sind hoffnungsfroh dargestellt. Das ändert sich im Laufe der Handlung, wenn der eine oder andere Rückschlag erfolgt. Die Anzahl der handelnden Personen ist hoch, so dass die Aufmerksamkeit nicht nachlassen sollte. Gerade dies sowie die sich langsam aufbauende Spannung ergeben ein wunderbar unterhaltsames Buch.
Greifen wir doch einfach mal ein, zwei Charaktere heraus. Da ist Nundus. Ein Vater, der für seinen Sohn eigentlich nur das Beste will, sich aber in seinem Verhalten manchmal negativ ausdrückt. Manchmal hielt ich ihn für einen Wiederling, sicher vom Autor absichtlich gewollt, dennoch ist er der Vater. Und Sohn Milan? Er gefiel mir gut, vor allem seine Entwicklung von einem eher naiven Jüngling zum gewichtigen Handlungsträger und einer Art Held. Dabei leidet er jedoch in seiner Formbarkeit, weil die beiden Frauen Nok und Felicia ihn gern nach ihrem Willen formen und beeinflussen wollen. Doch dagegen ist der Vater und er hat die Weichen gestellt, um den Jungen zur Selbstständigkeit zu erziehen, auch wenn Nundus letzten Endes undurchschaubar war. Ich denke, wir werden in der nächsten Erzählung auf sein Geheimnis stossen.
Die Wege sind vorgezeichnet, aber sicherlich nicht geradlinig. Es wird Wendungen und Überraschungen geben, die den Fortgang der Erzählung und das Ziel in Frage stellen werden. Aber ich kann mir jetzt schon vorstellen, dass Bernhard Hennen den ein oder anderen Sidekick / Spinoff in dieser Welt ansiedelt. Groß genug ist sie.
Manchmal ist nichts so, wie es scheint und immer wieder gibt es Ränkespiele und unvorhergesehene Vorkommnisse. Auch die auftretenden Personen, Wesen wie der Krähenmann und andere mehr, sind durchdacht. Es gefällt, ihnen zu begegnen und ihre Handlungen zu verfolgen, und sogar zu hinterfragen.
Eine fantastische Fantasy. 

Jörg Benne DÄMONENGRAB
Titelbild: Matyan und MatthiasLück
Mantikore Verlag 17.01.2018 306 Seiten 13,95 €
ISBN: 978-3-96188-038-6 (TB)
www.mantikore-verlag.de

Der vorliegende Roman ist ein klassisches Fantasy-Dungeon-Horror-Abenteuer. Bei diesem Ansatz gehe ich davon aus, dass ein Rollenspiel der Ausgang für dieses Erzählung darstellt. Im Mittelpunkt steht der junge Mann Ordo und dessen Freund Varjan. Sie bewohnen mit ihren Familien den Ort Brensacker. Dieser einsame Ort bietet für Jugendliche keine Zukunft. Egal in welcher Hinsicht, vor allem weil es ihnen an Geld und Möglichkeiten fehlt, um den Ort hinter sich zu lassen.
Wie üblich in einer auf dem Mittelalter oder ähnlichen Strukturen angesiedelten Welt, sind die Eltern auf die Jugend angewiesen, denn diese müssen nicht nur Unterstützen, sondern im Alter auch versorgen.
So bleibt Ordo nur eines, in seinen Tagträumen die unglaublichsten Abenteuer und Heldentaten verbringen. Das Tagträumen ändert sich eines Tages, weil ein heftiger Sturm den Eingang zu einer legendären, unterirdischen Tempelanlage der Jekari freilegt. Schnell macht es die Runde, hier seien Reichtümer zu finden. Da die Jekari aber Dämonen beschworen und noch ganz andere fiese Dinge taten, ist dies eher unwahrscheinlich. Dennoch verhallen die warnenden Worte des Priors und bald wimmelt es in dem Ort von Schatzsuchern. Doch auch anderes geschieht, denn Ordos bester Kumpel Varjan, verschwindet mit samt seiner Holzfällerfamilie. Als die herbeigerufenen Gardisten der Stadtwache aus der Stadt Terida eintreffen um das Verschwinden der Familie zu untersuchen, hilft ihnen Ordo. Er ist sich sicher, dass Varjan in den Anlagen des Jekari-Tempels verschwand. Denn sie fanden nicht nur die Ruinen, sondern auch den unterirdischen Eingang.
Hier beginnt das eigentliche Abenteuer. Eine Gruppe sich fremder Abenteurer macht sich auf den Weg. Ebenso unterschiedlich sind ihre Erwartungen. Ob es nun Ordo ist, der seinen Freund sucht, die Zwillinge Lorik und Marik die berühmte, unterirdische Tempelanlage zu bewundern, die ihre Dashiri -Vorfahren einst erbauten, die Gardistin Nilra und andere.

Der Leser, eindeutig Jungen-Fantasy, erlebt spannende Abenteuer, die sich nicht von denen der ersten Fantasy-Abenteuer seit Dungeon und Dragons von 1978 unterscheiden. Dabei gelingt es Jörg Benne, die Personen glaubhaft darzustellen ohne hahnebüchene Handlungswandlungen. Zwar ist die Abenteurergruppe durchaus Klischee, doch mit den glaubhaften Darstellungen (ich erwähnte es eben) und einer gelungenen Weiterentwicklung der „Helden“-Gruppe in ihren Persön-lichkeiten, macht die Erzählung Spass. Auch am Schreibstil habe ich nichts auszusetzen. Es gelingt, Spannung aufzubauen, Überraschungen einzubauen und eine folgerichtige Entwicklung der Handlung zu beschreiben. Leider ist das Ableben der einzelnen Abenteurer der eigentliche Handlungsschwerpunkt. Vieles bleibt ungeklärt, was letztlich etwas unbefriedigend ist. 


Jörg Benne DIE STUNDE DER HELDEN
Titelbild: Matyan & Matthias Lück
Mantikore Verlag 28.05.2015 414 Seiten 13,95 €
ISBN: 978-3-96188-042-3
www.mantikore-verlag.de

Ich bin Felahar von Brickstein und von Beruf Gerichtsschreiber. Diesen weniger schönen Beruf musste ich annehmen, da mein Vater unser adliges Vermögen versoff. Weil mir der Job aber zu öde ist, beschloss ich in die Nordlande zu ziehen, um Geschichten zu sammeln und Poet zu werden. Als Geschichtensammler und Erzähler verdiene ich mir in den Gasthöfen und Marktplätzen mein Geld. Mehr schlecht als recht komme ich so über die Runden. So sitze ich hier im Gasthof und erzähle eine Geschichte über drei Helden, die ich nicht kenne, aber hier legendär sein sollen. Von einem Hinweis der Zuhörer zum anderen hangel ich mich durch erfundene Begebenheiten. Aber Hauptsache die Leute hören zu und nachher gibt es was Warmes zu essen und einen trockenen Schlafplatz. Die Geschichte handelt von den drei bekannten Helden Dalagar, Wim und Huk.Nach der Geschichte ruft man mich an einen Tisch wo drei Männer sitzen. Die Helden meiner Geschichte, die sich über das Abenteuer wundern, welches sie erlebt haben sollen. Aber immerhin, ich nehme meinen Mut zusammen, Geschichten aus erster Hand zu sammeln und die Männer gestatten mir, sie ab sofort zu begleiten.

Diese Hintergrundgeschichte kam mir sehr bekannt vor. Ähnliches habe ich schon mal gelesen. Und begann also zu suchen. Und siehe da, dieses Buch ist eine Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2015. Da ich mir Bücher aber anhand der Titelbilder merke, konnte ich diese Erzählung nicht sofort zuordnen. Aber wozu hat man eine Datenbank.
Die Geschichte war spannend geschrieben, so dass man sie doch gern liest, auch wenn sie vorhersehbar ist. Da ich diese Erzählung jedoch kannte habe ich fast Kapitelweise die Seiten überschlagen. Wer das Buch zum ersten Mal in der Hand hält, wird sich über den teilweise witzigen Stil freuen. Jörg Bennes Schreibstil ist recht einfach gehalten, bringt nicht viele Überraschungen und ähnelt an ein Rollenspiel. Das liegt vor allem an den doch recht oberflächlichen Beschreibungen seiner Handlungsträger. Die Geschichte liest sich flüssig, gut als Bettlektüre geeignet. 

Elea Brandt OPFERMOND
Titelbild: Rossitsa Atanassova & Matthias Lück
Mantikore Verlag (2018) 437 Seiten 13,95 €
ISBN: 978-3-945493-36-6 (TB)
www.mantikore-verlag.de

Die Wüstenstadt des blutigen Gottes Ghor-el-Chras ist recht düster dargestellt und je ärmer die Gegend desto brutaler die Einwohnerschaft. Natürlich gibt es das typische Opfer-Täter-Verhalten, ist jedoch hier extrem ausgelebt. Kennt man den Gott, so kennt man die soziale Struktur und so ist es nicht ungewöhnlich, dass die Geschichte sehr brutal und blutig beschrieben wird.

Idra, arbeitet als Freudenmädchen und stammt aus dem Armenviertel Sha-Quai. Idra, sehr selbstbewusst, ist pragmatisch, versucht das Beste aus der jeweiligen Lage zu machen und hat eine gesunde Portion Selbstbewusstsein. Aus ihrer Sicht beobachtet der Leser einen Mord. Zweite Hauptfigur ist Varek, eigentlich ein Auftragsmörder. Varek lebt im besseren Teil der Stadt und gewöhnlich keine Geldsorgen Probleme von ihm sind anderer Art, als der „normale Überlebenskampf“. Ein Auftragsmörder mit Gewissen, dazu eine Abhängigkeit, die ihm ihm kaum eine andere Wahl lassen. Die beiden sind sehr unterschiedlich von ihrer sozialen Stellung und ihrem Leben, dennoch werden sie im Laufe der Handlung aufeinander treffen. Beide Charaktere werden glaubhaft vorgestellt und ihre Handlungen nachvollziehbar. Auch wenn man als Leser nicht immer mit ihnen einverstanden ist. Varek als auch Idra sind nicht gerade Sympathieträger weder von ihrer Tätigkeit, noch von ihrer Art. dennoch scheinen sie die „Guten“ der Erzählung zu sein. Doch hinter jedem „Guten“ steht der „Böse“, der sie in Abhängigkeit hält.
Elea Brandt lässt langsam aber sicher alle Fäden der Geschichte zusammenlaufen und schafft es mir einen guten Fantasy-Krimi zu präsentieren. Fragen werden geklärt und vieles ist nicht so wie erwartet. könnte. Grade am Ende bei der Auflösung war ich wirklich überrascht, damit hatte ich nicht gerechnet. Spannend und gute Unterhaltung. Manch einer der „Profi“-Autoren kann sich eine Scheibe abschneiden. 

Internationale Phantastik

DIE GETREUEN UND GEFALLENEN
John Gwynne JÄHZORN
Originaltitel: ruin (2015) Übersetzung: Wolfgang Thon
Titelbild: Paul Young Karte: Fred van Deelen
Blanvalet Verlag 6121 (01/2018) 916 Seiten 16 €
ISBN: 978-3-7341-6121-6 (Klappbroschur)
www.blanvalet.de

Der Brite John Gwynne wurde in Singapur geboren. Sein Studium absolvierte er an der Universität von Brighton, wo er später auch selbst als Dozent arbeitete. Der Schriftsteller ist verheiratet und hat vier Kinder, von denen eine Tochter behindert ist. Aus diesem Grund entschied er sich, von zuhause aus zu arbeiten, um sich besser um seine Tochter kümmern zu können. Zusammen mit seiner Frau restauriert er alte Möbel. Nebenher schreibt John Gwynne Fantasy-Geschichten. Er lebt mit seiner Familie in East Sussex.

Die Getreuen und Gefallenen:
1. Band Macht
2. Band Bosheit
3. Band Jähzorn
4. Band Ungnade erscheint am 19. März 2018

DIE GETREUEN UND DIE GEFALLENEN ist eine episch angelegte Fantasy-Serie die besonders denjenigen gefallen wird, die eine langlebige Serie wie z. B. DAS RAD DER ZEIT von Robert Jordan, lesen und lieben lernten. Die Bewohner dieser klassischen Fantasy-Welt werden in einen Konflikt mit ihren Göttern verwickelt. Das ist nun nichts Neues. Und der erste Band mit dem Titel Macht, war dementsprechend etwas „langweilig“ bis „langatmig“, weil viel Wert auf die Einführung in die Welt gelegt wurde. Das bedeutet aber, dass der Leser wirklich mit Band 1 beginnen sollte, um die Welt richtig zu verstehen. Die Reihe Die Getreuen und die Gefallenen ist eine spannende Mischung aus Krieg, Intrigen, Mythen, Legenden, Politik und Magie. Die einzelnen Personen sind nicht nur einfach so Person, sondern richtige Persönlichkeiten. John Gwynne legt auf die Charakterzeichnungen seiner Handlungsträger viel Wert. Es beginnt mit einem Jugendlichen, Corban, der in Verwicklungen gerät die ihn schneller zum Mann werden lassen, wobei es weniger um Männlichkeit geht, sondern um das Erwachsenwerden. Seine Schwester Cywen ist momentan die einzige weibliche Hauptdarstellerin. Veradis ist ein treuer Gefolgsmann des Prinzen Nathair. Seine kriegerischen Fähigkeiten übertreffen seine politischen Interessen und Fähigkeiten. Er ist also eher der Haudrauf, während andere mehr die „Geistesgrössen“ sind. So zum Beispiel Camlin, der mit seinen Idealen eher ein Denker und aufständischer ist, weniger der Kämpfer. Kastell hingegen ist im Kampf um die Macht in seinem Königreich unterlegen, da er seinem Vetter in den Ränkespielen deutlich unterlegen ist.
Im Ganzen gesehen ist diese Reihe nichts neues, hält sie sich doch an altgewohnte Fantasy-Standarts. Aber vielleicht lässt sich der Autor auch ab und zu zu neuen Ideen hinreißen. Empfehlenswert für „Langleser“. 

DER NEKROMANT
M. R. Forbes TOTENKULT
Originaltitel: dead red 2015 Übersetzung: Jan Enseling
Titelbild: Jelena Begovic & Matthias Lück
Mantikore Verlag 11.12.2017 340 Seiten 14,95 €
ISBN: 978-3-96188-005-8 (TB)
www.mantikore-verlag.de

In einer düsteren und dunklen Atmosphäre versucht sich Conor Night auch weiter dem Tod-Schläger, also dem Tod ein Schnippchen zu schlagen und weiter zu leben, über sein eigentliches Limit hinaus. Dummerweise hat man aber seinen Doktor ins Jenseits befördert, was für ihn bedeutet, mal wieder ohne ärztlicher Hilfe dazustehen. Daraus folgt, dass Conor jetzt für Tarakona arbeiten muss, wenn er verhindern will, dass Black ein Artefakt für seine Zwecke nutzt.

Dieser zweite Teil gefällt, wie hier die Art und Funktion der Necromantie dargestellt wird, noch besser als der Erste. Von der Handlung her gibt es tatsächlich nicht viel zu erzählen, ohne dass man wichtige Ereignis vorwegnimmt. Wir kennen Conor und die anderen handelnden Personen können uns auf eine SF-Horror-Krimi-Handlung einlassen und gut unterhalten fühlen. Der Roman enthält typische Horror-heft-Roman-Bestandteile, wie auch Cyberpunk und Shadowrun.
Flüssig und sehr spannend geschrieben ist dieser Roman beste Unterhaltung. Autor Forbes gibt jedoch noch nicht alles Preis, sondern lässt sich und damit dem Leser, Raum für zukünftige Entwicklungen. 

Pournelle und Niven KOMET - DER EINSCHLAG
Originaltitel: luzifer's hammer (1977) Übersetzung: Andrea Blendl
Titelbild: Andrei Bat & Matthais Lück
Mantikore Verlag (2017) 768 Seiten 14,95 €
ISBN: 978-3-945493-97-7 (PB)
www.mantikore-verlag.de

LUCIFER'S HAMMER wurde gemeinsam von den erfolgreichen Autoren Jerry Pournelle und Larry Niven geschrieben und wurde im Jahr 1977 veröffentlicht.

Die Handlung schildert sehr realitätsnah den Untergang unserer Zivilisation durch den Aufprall eines Kometen auf der Erde. Der Hintergrund ist, dass die Amateurastronomen Timothy (Tim) Hamner und Brown einen neuen Kometen entdecken. Die Fachleute, halten ihn nicht für eine Bedrohung und sind der Meinung, die Chancen stünden eins zu hunderttausend, dass er die Erde trifft. Doch mit jeder Prognose wird die Chance kleiner und der rasende Tod aus dem All wahrscheinlicher. Und dann ist die Katastrophe perfekt. Nur Kofferpacken und fliehen ist nicht möglich. Ein paar Millionen Tonnen Staub und Wasser dringen in die Erdatmosphäre ein, verursachen Tsunamis, Erdbeben und weitere Katastrophen.
Die Menschheit fällt in ein dunkles Zeitalter der Barbarei und des nackten Überlebenskampfes. Jeder ist sich selbst der Nächste. Für die Überlebenden beginnt ein neues Zeitalter, geprägt vom Kampf ums Überleben und dem Versuch, die Zivilisation neu aufzubauen. Das oftmals ausgezeichnete Duo Larry Niven und Jerry Pournelle orientiert sich sehr an der Wirklichkeit, wie die Auslöschung der Menschheit stattfinden könnte und verzichtet grosszügig auf Horrorelemente. Luzifers Hammer ist ein üppiger Roman mit etlichen Handlungssträngen und einer Vielzahl von Figuren. Er besteht aus drei Teilen: Vor dem Einschlag, der Moment des Einschlags, nach dem Einschlag und der Versuch eine neue Zivilisation aufzubauen. Die Figuren innerhalb ihrer unterschiedlichen Handlungsstränge sind mit Bedacht gewählt; ihre Lebenswege führen gegen Ende unaufhaltsam aufeinander zu.

Niven und Pournelle schaffen es, die Spannung über den gesamten Roman aufrecht zu erhalten. Das Buch gewinnt mit der Zeit, der Beginn ist etwas langatmig, an Tempo und wird richtig interessant, wenn es um Nachwirkungen der Katastrophe und die Darstellung der Zivilisation geht.

Besonders die beeindruckende Schlussszene wartet mit einer eher unkonventionellen Einstellung auf. Das Thema wird mitreissend und gekonnt geschildert. Alles in allem also ein guter, relativ harter Weltuntergangsroman, der mich bis zum Ende hin gefesselt hat. 

G. Willow Wilson ALIF DER UNSICHTBARE
Originaltitel: alif the unseen (2012) Übersetzung: Julia Schmeink
Titelbild: Bilderdienst Karte: Markus Weber
Fischer Tor Verlag (25.01.2018) 515 Seiten 9,99 €
ISBN: 978-3-596-29936-2 (TB)
www.fischerverlage.de

Das Buch ALIF DER UNSICHTBARE ist ein interessanter und abwechslungsreicher Erzählband, der an die Cyberpunk- / Shadowrun-Romane 1980er, 1990er Jahre anschliesst. Das scheint gerade wieder Thema zu werden, denn auch andere Autoren greifen das Thema wieder auf. Der Roman erhielt den “World Fantasy Award”, aber ich weiss nicht warum, denn sonst hätte man viele andere Bücher ebenfalls mit diesem Preis auszeichnen müssen. Klar ist, dass die arabische Welt im Westen nicht sonderlich häufig als Ort der Abenteuer und Geschehnisse auftritt. Vielleicht liegt es daran, der quasi exotische Schauplatz, als Preiswürdig zu empfinden. Dabei greift die Autorin durchaus auch auf das Tagesgeschehen zurück. G. Willow Wilson nimmt Bezug auf den sogenannten Arabischen Frühling. Im Mittelpunkt des Geschehens steht das Schicksal des jungen Computerhackers Alif (übrigens, das Alif, ألف alif, ist der erste Buchstabe des arabischen Alphabets). Er lebt in den Arabischen Emiraten und seine Hauptbeschäftigung ist das virtuelle Verbergen von Landsleuten. Deren Seiten und Meinungen sollen zwar im Internet erreichbar sein und veröffentlicht werden, doch sollen sie gleichzeitig vor der Geheimpolizei und ihren fragwürdigen Befragungsmethoden wie Folter oder gar Tod, im schlimmsten Fall beides, geschützt werden. Wer bereit ist zu zahlen, egal welcher religiösen Konfession oder politischen Richtung er oder sie angehört, Alif bietet ihnen Sicherheit im Internet. Die amerikanische Autorin, selbst zum islamischen Glauben übergetreten lässt nichts anbrennen. Die Erzählung besteht aus einer Mischung von Märchen, Science Fiction, Krimi und Liebesgeschichte. Letztere ist zwar wichtig und hält sich einigermassen im Hintergrund, aber war für mich nicht Zielführend. Alif ist unsterblich in die reiche Tochter des Nachbarn verliebt. Jene möchte standesgemäß heiraten und auserkoren wird ausgerechnet der mächtigste Geheimpolizist des Landes. Natürlich erfährt er, dass er einen unschicklichen und vor allem unerwünschten Nebenbuhler hat. Schnell steht Alif auf der Abschussliste des Geheimdienstes. Auf der Flucht wird ihm ein wertvolles Buch mit dem Titel „Tausend und ein Tag“ überlassen. Nicht von Menschenhand geschrieben erfährt er bald von der Welt der Dschinn und Fabelwesen. Auf der Flucht lernt er Vikram den Vampir kennen, sowie einige andere Wesen. Vikram (ein Hindu-Name und bedeutet der Weise) erweist sich zwar als Hilfe, aber im Vordergrund steht doch Alif und als Eminen im Hintergrund eine unscheinbare Konvertitin.
Mir persönlich war das Buch zu lang, die Seitenzahl hätte durchaus gekürzt werden können, wenn man belangloses ersatzlos gestrichen hätte. Es geht nicht um die Seitenzahl an sich, sondern überflüssige Satzwüsten. Als gelungen kann man jedoch die glaubhafte Beschreibungen der Umgebung bezeichnen. Gerade die sozialen Kriterien wie Klassen, soziale Position etc werden von mir dementsprechend honoriert. Allerdings lässt die Beschreibung der tatsächlichen Gegenwart etwas vernachlässigt. ich bin zu der Überzeugung gekommen, diese Beschreibungen sind das Ergebnis von TV-Nachrichtensendungen.
Was auf den mässig sympathischen Helden zukommt, kann man nur erahnen, ein Plus der Erzählung ist, dass man als Leser nie weiss, was auf der nächsten Seite passiert. Als der Roman 2012 geschrieben wurde, lief der Arabische Frühling, der jedoch schon lange wieder zu Ende ist, da die alten Machthaber und Militärs noch grausamer wieder herrschen. Mit diesem Buch sollte wohl auch ein wenig Sozialkritik geübt werden, die jedoch nicht ganz zum Tragen kommt.
Wer etwas Ähnliches lesen möchte sei auf Sergej Lukianenko mit seinen Büchern um TRIX verwiesen. Als Zusammenfassung ist das ein abenteuerliches Buch, gut zu lesen. Schöne Unterhaltungslektüre. 


Becky Chambers ZWISCHEN ZWEI STERNEN
Originaltitel: a closed and common orbit (2016)
Übersetzung: Karin Will
Titelbild: Bilderdienst
Fischer Tor Verlag (2018) 461 Seiten 9,99 €
ISBN: 978-3-596-03569-4
www.fischerverlage.de

Nach DER LANGE WEG ZU EINEM KLEINEN ZORNIGEN PLANETEN ist ZWISCHEN ZWEI STERNEN Becky Chambers zweiter Science-Fiction-Roman aus dem Wayfarer-Universum. Auch der zweite Band ist eine optimistische Space Opera. Wie in allen SF-Romanen dieser Art, lebt man in High-Tech-Städten. Erlebt Aben-teuer auf fremden Planeten und unbekannten Wesen, ob intelligent oder nicht, sei dahingestellt.
Auch ungewöhnliche Ausserirdische und künstliche Intelligenzen treten auf und bilden so eine außergewöhnliche Erzählung.
Im Mittelpunkt steht die junge Rosemary Harper, die auf der Wayfarer anheuert. Der Kapitän des in die Jahre gekommenen Schiffes nimmt sie auf und einen Auftrag an. Daraus resultieren sich die Abenteuer für Rosemary und die gesamte Besatzung des Raumschiffs.
Der letzte Auftrag der Mannschaft der Wayfarer konnte gut beendet werden. Der einzige Nachteil ist, dass ausgerechnet Lovey die Künstliche Intelligenz, die das Schiff steuerte, einen Schaden nach dem Systemzusammenbruch erhielt. Eine langwierige Reparatur brachte nur insofern Erfolg, dass die KI in ihrer Ursprungsform wieder hergestellt werden konnte. Da diese aber nicht mehr als Persönlichkeit vorhanden war, mit all den Entwicklungen der letzten Jahre, schob man Lovelace, wie sie im Ursprung hiess, in einen künstlichen Körper steckte, indem sie weiterexistieren konnte. Das Schiff selbst erhielt eine andere KI, um so die Funktion am Leben zu erhalten. Hier sind wir dann bei der KI Lovelace in neuem Körper und neuen Problemen. Früher war sie ein allumfassendes System, ihre Augen und Ohren waren quasi überall. Jetzt ist Lovelace in einem künstlichen, menschenähnlichen Körper gefangen. Der Nachteil ist, die Gesellschaft verbietet solche Transaktionen. Ihr hilft die Technikerin Pepper, die ihr Leben riskierte, um die Künstliche Intelligenz am Leben zu halten. Sie versucht mit ihr, ihren Platz in der Welt zu finden, die sie so nie erkunden konnte. Dieses erkunden findet nur langsam statt und Pepper ist die Lehrerin. Nicht zuletzt deswegen, weil Pepper aus einer Sklavenfabrik, damals noch als Klon Jane 23, mit Kinderarbeit floh und bei einem havarierten Raumschiff Schutz fand. Die dortige KI wurde zur Ersatzmutter und Lehrerin für Pepper. Jetzt sind die Rollen vertauscht.
Bei den unterschiedlichen Handlungsebenen kann man in beiden Fällen von einer Kombination aus Mensch und KI ausgehen. nur eben mit vertauschten Rollen. Mir gefällt als Leser dabei besonders, wie Pepper einmal als lernende und dann wieder als lehrende Person dargestellt wird. Mit diesen beiden Ansichten wird das Buch sehr interessant. Eine nachdenkliche Science Fiction mit einem Hauch Sozialkritik, verpackt in guter Unterhaltung. 
Der Lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten (2014)
Zwischen zwei Sternen (2016)

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Verfasservermerk:
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Im Internet finden sich auf www.fictionfantasy.de und www.buchtips.de weitere Besprechungen von Büchern, Comics und anderem. Zudem werden die Bücherbriefe auf den Internetseiten www.spielxpress.at, www.sftd-online.de und als erste Seite überhaupt, auf www.homomagi.de zum Herunterladen bereitgehalten. Monatlich wird auf der Seite www.phantanews.de und in den sozialen Medien auf den Bücherbrief hingewiesen. Der EDFC e. V. veröffentlicht innerhalb seiner Publikation Fantasia die Rezensionen des Vorjahres in mehreren Ausgaben. Auf allen Internetseiten werden monatlich insgesamt etwa 2.500 pdf- und e-book-Ausgaben (Stand 2017) heruntergeladen. Weitere Buchbesprechungen sind bereits im Internet verteilt.
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