STARLIGHT UNION



Der phantastische

Bücherbrief
für Phantastik / Krimi / Thriller / Jugendbücher


Mai 2018 unabhängig kostenlos Ausgabe 656


Walt Disney – Mickey, Donald & Friends
warum kein Deutscher Titel?

Walt Disney - Micky, Donald und Freunde

Ich werde ja immer noch als assoziiertes Mitglied der SED geführt. In diesem Fall sind die SED jedoch die "Süd-Europäischen-Donaldisten". In dieser Hinsicht bin ich dem Helden Donald Duck immer noch verbunden. Im März las ich von der Ausstellung Walt Disney – Mickey, Donald & Friends, die im Landesmuseum Mainz gezeigt wird. Die Veranstaltung öffnete am 14. März und dauert noch bis zum 29. Juli.
Wir warteten einen Schlechtwettertag ab, um ins Museum zu fahren. Nach Susannes Wetter-App sollte es um 6 Uhr, dann um 8 Uhr, dann um 14 Uhr regnen. Alles gelogen. Das Museum hatte ziemlich grossen Zuspruch. die Schlange war nicht lang, aber dafür mein Gesicht. 12 Euro Eintritt. Was für eine Abzocke. Pro Person (Erwachsener) versteht sich. Dagobert Duck und Mac Moneysac hätten vor Freude auf den Tischen getanzt. Während Susanne anstand um die Eintrittskarten, 5,2 x 7,5 cm grosse Aufkleber, sichtbar anzubringen, zu erwerben, sah ich mich im Shop um, machte dort Fotos. Da gab es hübsche farbige Bilder, und einfache sw-Bilder. Alles Kopien, dadurch zu erkennen, dass an einem Bild, dass doppelt dort hing, der gleiche Punkt auf beiden Bildern war. Und für diese DIN-A-3 sw-Bilder im billig-Rahmen wollte man tatsächlich mehr als 300 (in Worten dreihundert) Euro, ungerahmt über 250 €. Ich dachte mich tritt ein Pferd. Irgendwie hatte ich keine Lust mehr.
Dabei zählten Donald, Micky, Goofy und Pluto durchaus zu den Helden meiner Kindheit. Ja, sie sind Weltstars und Oscar-Preisträger. Seit über 90 Jahren beglücken sie eine Generation an Lesern nach der anderen. Wöchentlich erscheinen die Hefte, dazu Taschenbücher, Magazine und Sonderproduktionen. Sie sind nicht mehr wegzudenken aus dem Alltag. Bereits seit den 1930er Jahren wurde mit Micky und Co. Geld verdient. Auch mit dem Merchandising. Ein paar wenige interessante Ausstellungsstücke, die ich nicht kannte, waren das Porzellangeschirr, Blechdosen und Blechkorb mit Micky Maus.
Bevor wir zu den eigentlichen Räumlichkeiten mit den Ausstellungsstücken gelangten, kamen wir an einem Saal vorbei, wo ein halbes Dutzend Zuschauer auf grosser leinwand einen Film sahen. Der Film nahm nur etwa ein Viertel der Leinwand ein, schlechte Qualität, die man besser im Internet sehen kann. Wir folgten orangefarbenen Fussabdrücken, die Donald hinterlassen haben könnte, in den ersten Raum. Alles recht düster, damit die beleuchteten Bilder besser wirken. Nichts für Kinder, die es lieber hell haben möchten. Positiv, überall standen kleine Treppchen, die man verschieben konnte, so dass auch die kleineren Besucher die Bilder genau ansehen konnten. Grossformatige Bilder des Zeichners Ulrich Schröder hingen nebeneinander. Aber wo sind die fröhlichen Farben, die jedes Micky Maus Heft ausmachen. Das Blau und Rot, wie es die Spielzeugautos und Figuren an sich haben und so unverkennbar sind? Stattdessen: ****brauner Hintergrund mit schwarzen Strichen.
Ungefähr 300 Ausstellungsstücke, hauptsächlich Bilder, die sich im Thema wiederholten, ermöglichten uns einen kleinen Blick auf die Entwicklung der weltbekannten Figuren. Es wurde gezeigt, wie die Figuren im Anfangsstadium einer Zeichnung aussehen bis hin zum endgültigen Comicbild. Positiv zu erwähnen, die Lebensläufe und Arbeitsweisen ihrer berühmtesten Zeichner, von damals bis heute.
Doch wer waren die Zeichner, die Comic-Künstler, die die Charaktere lebendig werden ließen?
Die bekanntesten Namen in diesem Zusammenhang sind Don Rosa und DER Zeichner, der wie kein anderer die Serie prägte: Carl Barks. Doch wer weiss schon, dass Floyd Gottfredson, der Zeichner und Erfinder der Mickey Mouse, Al Taliaferro, der Erfinder Donald Ducks und Carl Barks, Vater zahlreicher Figuren wie Onkel Dagobert, Daniel Düsentrieb und den Panzerknackern ist? Diese Informationen findet man auf Seiten, mit den Fotos der entsprechenden Zeichner. Das Vorbild, vergilbte Zeitungsausgaben. Beim Rundgang entdeckte ich nicht nur einen Block aus einem Dutzend Monitoren, die leider ausgeschaltet waren, einen abgeteilten Bereich in dem der Film Dumbo gezeigt wurde, sondern auch einen altmodischen Leuchttisch, wo Eltern und Kinder versuchten in alter Tradition Bilder abzupausen. Ein positiver Gesichtspunkt, die Kinder aktiv in die Ausstellung einzubeziehen.
Viele der hier ausgestellten Blätter entstammten der Sammlung Ina Brockmann und Peter Reichelt. In diesem Zusammenhang präsentierte das Landesmuseum einige wertvolle Tuschezeichnungen von Carl Barks, die das Museum in den 1990er Jahren ankaufte. Mit dem ersten Micky Maus Buch: „The Adventures of Mickey Mouse“ aus dem Jahr 1931 war auch ein seltenes Buch zu sehen. Aber leider nicht mehr als der Umschlag. Hier hätten ein paar Kopien der Originalzeichnungen einen guten Einblick gegeben.

Letztlich war ich von dieser Ausstellung enttäuscht. Mit den Entwicklungen der Comics vom sogenannten Scribble über die Farbkorrekturen bis zum fertigen Comicbild verplemperte man viel Zeit und Platz. Nach dem fünften Mal musste ich die Bilder einfach hängen lassen, weiter gehen und schliesslich raus. Abwechslungsreich geht anders.
Zum Schluss kann ich verstehen, warum das Fotografieren in der Ausstellung verboten war. Das war den Veranstaltern wahrscheinlich peinlich, was sie als Sonderausstellung zu Wege brachten.
Fazit: zu teuer, zu langweilig.


Gardner Raymond Dozios
23.07.1947 – 27.05.2018

wurde am 23. Juli 1947 in Salem, Massachusetts geboren und starb 70jährig am 27. Mai 2018 im Krankenhaus an einer systemischen Infektion.
Gardner Dozois verbrachte seine Kindheit in seinem Geburtsort Salem und begann Science-Fiction zu lesen, um der Kleinstadtatmosphäre zu entkommen. Sein Interesse galt der Abenteuer-Science-Fiction oder Space Opera. Seinem Militärdienst bei der US Army leistete er teilweise in Deutschland. Dozois lebte später in Philadelphia, Pennsylvania.
Er war ein Science-Fiction-Autor und vor allem Science-Fiction -Herausgeber. In den Jahren 1984 bis 2004 leitete er als Redakteur das renommierte „Asimov’s Science Fiction Magazine“. Ebenfalls ab 1984 baute er die Kurzgeschichten-sammlung „The Year’s Best Science Fiction“ auf. Dazwischen erschienen weitere Kurzgeschichtensammlungen zu bestimmten Themen die er mit Jack Dann herausgab. Die Titel sprechen für sich: Cats („Katzen“), Dinosaurs („Dinosaurier“) oder Seaserpents („Seeschlangen“). In den letzten Jahren erschienen die Sammlungen meist in Zusammenarbeit mit George R. R. Martin, den er zu Beginn seiner Kariere förderte. Gemeinsam arbeiteten die beiden, und mit Daniel Abraham als dritten Autor an dem Roman Planetenjäger.
2001 veröffentlichte Michael Swanwick ein Interview mit Gardner Raymond Dozios, das ein ganzes Buch füllt, unter dem Titel Being Gardner Dozois. Dieses Buch behandelt jedes literarische Werk, das Dozois bis dahin geschrieben hatte.

Preise:

Nebula Award
1983 The Peacemaker beste Kurzgeschichte
1984 Morning Child beste Kurzgeschichte

Hugo Award
1988 – 1992

Locus Award
16 x gewonnen für seine Kurzgeschichtensammlungen als Herausgeber

2011 Science Fiction Hall of Fame

Veröffentlichungen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Bastei Lübbe Verlag
24044 World’s Best SF 2 1983 Hrsg.: Donald A. Wollheim & Arthur W. Saha
Kinderspiel playing the game 1981

Blanvalet Verlag
Königin im Exil 05/2015 zusammen mit George R. R. Martin

Fantasy Productions
Rock'n'Fiction - 13 phantastische SF-Stories zusammen mit Werner Fuchs 1988
Auf Tour touring zusammen mit Jack Dann, Michael Swanwick 1981
Langsamer Tanz mit Jesus slow dancing with jesus zusammen mit Jack Dann 1983

Fischer Verlag
FO 15 Damon Knight's Collection 8 11/1972
Wo keine Sonne scheint where no sun shines

Wilhelm Goldmann Verlag
8233 Das grosse Dinosaurier Lesebuch 06/1992 Hrsg. Jack Dann, Gardner Dozois 1990
Ein Witterungsumschwung zusammen mit Jack Dann

Wilhelm Heyne Verlag
The Magazine of Fantasy and Science Fiction Band 68
4099 Nacht in den Ruinen 1984 Hrsg. Ronald M. Hahn
Unter Toten down among the dead men zusammen mit Jack Dann
13284 Schöne Bescherung 11/2000
Kurzgeschichtensammlung
Zeilen und Zahlen
Goldene Äpfel der Sonne golden apples of the sun
unter verkürzter Form "virgin territory" 03/1984 veröffentlicht
zusammen mit Jack Dann, Michael Swanwick
Die unheimlichen Bücher
16 Das grosse Gruselkabinett 1984 the dodd mead gallery of horror 1983
Hrsg.: Charles L. Grant
Musselmann down among the dead men mit Jack Dann

Arthur Moewig Verlag
3512 Fremde 01/1981 strangers 1978
3618 Kopernikus 9 Herausgeber H.J.Alpers 1983 (1974)
Die Fesseln der See chains of the sea

VPM Playboy SF
6721 Gute Nachriten aus dem Vatikan Robert Silverberg 1981
nebula award stories 7 Hrsg.: Lloyd Biggle jr.
Die Welle horse of air 1970
6744 Einhörner 1985 Hrsg. Jack Dann 1982
Das Opfer the sacrifice 1982

VPM Terra (Taschenbuch)
247 Die Zeitfalle 9/1974 universe 2 1972
Kurzgeschichten Hrsg.: Terry Carr
Der Mann hinter dem Fenster

Deutsche Phantastik

Herausgeber Wolfgang Schroeder und Markus Heitkamp
Phantastische Sportler Torsten Low Verlag
Herausgeber Erik Simon Sternmetall Torsten Low Verlag
Die Geheimnisse der Klingenwelt 2
Ju Honisch Blutfelsen Knaur Verlag
Marina Heidrich Go!Dessia - Das Möhrchen-Massaker Leseratten Verlag

Internationale Phantastik

Der Sommerdrache 1
Todd Lockwood Die ewigen Gezeiten Fischer Tor Verlag
Meisterwerke der dunklen Phantastik 3
Elinor Wylie Ein Neffe aus venezianischem Glas Blitz Verlag

Hörspiele

Sherlock Holmes 34
Herman Cyril McNeile Die quietschende Tür Titania Medien
Gruselkabinett 136
H. G. Wells Das Königreich der Ameisen Titania Medien
Gruselkabinett 137
Robert E. Howard Aus finsterer Tiefe Titania Medien

Comics

Alan Moore Die Liga der Aussergewöhnlichen Gentlemen Panini Verlag
Lustiges Taschenbuch 506
Tatort Entenhausen Egmont Ehapa Verlag
Dr. Strange 6
Dennis Hopeless Der Hexer von New York Panini Verlag
Lustiges Taschenbuch Collection 6
Matteo Venerus Kampf der Zauberer Egmont Ehapa Verlag

Spiele

Joseph F. E. Reinthaler Monster! Homunculus Verlag

Fan- / Magazine

Follow 438 Fantasy Club e. V.


Deutsche Phantastik


Herausgeber Wolfgang Schroeder und Markus Heitkamp PHANTASTISCHE SPORTLER
Titelbilder: Detlef Klewer & Chris Schlicht
Torsten Low Verlag (15.03.2018) 150 + 174 Seiten 14,90 €
ISBN: 978-3-940036-46-9
www.torsten-low-verlag

Wenn sich Ausscheidungskämpfe etwas anders entwickeln, als man sich das normalerweise vorstellt ...
Wenn auch in fünfhundert Jahren noch mit runden Produkten der Tierkadaververwertung gekickt wird und dabei die Anzahl der Beine unerheblich ist ...
Wenn auf der Männertoilette der Kegelbahn plötzlich eine höllisch gute Unterstützung auftaucht ...
Wenn einem für den Sieg selbst das exotischste Wundermittel gerade recht und die eigene Gesundheit oder die der Konkurrenten vollkommen egal ist ...

… dann können nur die Phantastischen Sportler am Start sein!
Götter, Helden, Tiere, Menschen und andere phantastische Gestalten treten an, um den Sieger zu küren oder über das Schicksal des Verlierers zu entscheiden.
In ihren 22 Geschichten decken die Autoren sämtliche Facetten des »Phantastischen Sports« ab: Zukunftsvisionen und Märchenhaftes, Humorvolles trifft auf blanken Horror und Nachdenkliches, in dem auch eine Prise Realität versteckt sein kann.

Doch letztendlich zählt nur eines: Dabei sein ist alles! (Verlagstext)

Jetzt kann der Leser und die Leserin, sich den Satz verinnerlichen den jeder Sportler, der noch nie gewann oder wie der Verlagstext suggeriert, ebenfalls damit schmücken: Dabei sein ist alles. Jeder Sofakissensportler kann sich nun ganz dem zum Teil humoristischen Treiben widmen, dass andere mit „Sport ist Mord“ bezeichnen. Wie nah man mit dieser Aussage am wirklichen Geschehen ist, entscheidet jede der 22 Geschichten für sich. Das ist Mal so, Mal so. Ebenso wie dieses Wendebuch mit zwei Titelbildern und Kurzgeschichten die von beiden Seiten des Buches gelesen werden können.
Anthologien haben auf dem deutschen Markt einen schweren Stand. die grossen Verlage verzichten seit Jahrzehnten auf diese literarische Vielfalt. Die Kleinverlage halten diese Fahne nicht nur hoch, sondern auch gewisse Fangruppen, die sich immer wieder für diese Literaturform begeistern.

Die Autorinnen und Autoren dieser literarischen Leibesertüchtigung, an der der alte Turnvater Jahn sicherlich seine Freude gehabt hätte, gehen auf sehr unterschiedliche Weise an das Thema Sport heran. Die Herausgeber Wolfgang Schroeder und Markus Heitkamp wählten treffende Erzählungen aus, die unterschiedlicher nicht sein können, aber immerhin einen gelungenen Einblick in die Welt des Sports bieten. Ernst oder mit frechem Humor, stimmungsvoll und manchmal nachdenklich, aber immer flüssig geschrieben und gut zu lesen.

Kommen wir also zur Siegerehrung.

Platz 3: Der bissige Verleger Torsten Low, der sich immer wieder für die Kurzgeschichtensammlung einsetzt.
Platz 2: Die Herausgeber Wolfgang Schroeder und Markus Heitkamp, denen es gelang mit einem interessanten Thema zu Punkten
Platz 1: 22 unterschiedliche Erzählungen. Gemeinsam ergeben sie eine mehr als ansprechende Sammlung von Kurzgeschichten.

Unter ferner liefen: Die Couchpotatoes, Sportmuffel und Leser. Sowie die Sportler die mit einarmigen reissen, nur das Bierglas von der Theke meinen.

Und für die Selber-Leser: Nichts wurde von, über, mit den Geschichten erwähnt. Habt Spaß. 

Herausgeber: Erik Simon STERNMETALL
Titelbild: Angelika Barth
Übersetzungen: Wesselin Beltschew, Stojan Christow, Erik Simon
Verlag Torsten Low (2018) 216 Seiten 13,90 €
ISBN 978-3-940036-47-6 (TB)

Ein arbeitsloser Magier erhält einen Auftrag, der sich als unausführbar erweist, von dessen Ausführung aber sein Leben abhängt.
Eine Kriminalistin gerät an einen Fall mit rätselhaften, ja gespenstischen Begleitumständen.
Ein junger Elf, der heutzutage mit seiner Familie unerkannt unter Menschen lebt, träumt davon, Schriftsteller zu werden.
Missionare bringen einem weltabgewandten Einsiedler die Botschaft, dass Gott sich den Menschen offenbart hat und Ungläubige überzeugt, indem er für sie Wunder vollbringt.
Zwei junge Männer ziehen aus, um ein Zauberschloss zu finden, das einem von ihnen im Traum erscheint.
In einer nicht allzu fernen Zukunft fallen außerirdische Parasiten als quecksilberähnliche Tropfen auf die Erde, die Menschen in ihresgleichen und die Welt in eine wasserlose Wüste verwandeln.
Jedes Mal auf eine andere Weise setzen die neun Autoren unserer Anthologie das Phantastische ins Bild. So ergibt sich ein Spektrum verschiedenster Formen von der Fantasy über Unheimliche Phantastik und die Grenzgefilde der Science-Fiction bis hin zu unglaublichen Wundern mitten im Alltag, eine – wenn auch unvollständige – Blütenlese der neueren bulgarischen Phantastik.
Aus dem Bulgarischen übersetzt von Wesselin Beltschew, Stojan Christow und Erik Simon. (Verlagstext)


Georgi Malinow Magie für Rayed
Swetla Damjanowska Die Lampe
Welko Miloew Paris, Paris, Kairo
Elena Pawlowa Elfenlied
Val Todorow Jenes Etwas, das mit den Vögeln davonflog: ich habe es gesehen, wußte aber nicht, was es ist
Maria Spirowa Halbmythische, uralte Dinge
Andon Staikow Jeder einzelne Ungläubige
Nikolai Todorow Und nur die Erinnerung wird bleiben
Iwailo P. Iwanow Die Siegerin, der Schmied und der Märchenerzähler

Hatte ich mich schon mal als Kurzgeschichtenfan ge-outet? Mehrmals? Egal. Torsten Low hat nun in seinem Verlag internationale Kurzgeschichten veröffentlicht. Herausgeber Erik Simon, der auch als Übersetzer und Autor tätig ist, bot ihm eine Sammlung bulgarischer Phantastik an. Ein Glücksgriff für die Literatur aus dem Ausland. Anders kann ich die Sammlung nicht bezeichnen. Denn die Phantastik, gerade aus dem Osten und Südosten Europas, ist hier unbekannt. Nicht ganz, aber dem grösseren Publikum.
Ein Überblick über osteuropäische Phantastik ist schwierig bis gar nicht gegeben. Im Harrassowitz Verlag erschien 1993 das Buch „Der bulgarische Diabolismus“ von Thomas M. Martin. Doch dieses Buch beinhaltete eine Studie der bulgarischen Phantastik zwischen 1920 und 1934. In der heutigen Zeit, selbst mit Internet, findet man wenig im deutschsprachigen Raum.
Umso interessanter empfand ich die Sammlung, die bei Torsten Low unter dem Titel: „Sternmetall“ erschien. 

DIE GEHEIMNISSE DER KLINGENWELT 2
Ju Honisch BLUTFELSEN
Titelbild: Arman Akopian
Knaur Verlag 52103 (02.05.2018) 770 Seiten 12,99 €
ISBN: 978-3-52103-8 (TPB)
www.droemer-knaur.de

Tödliche Geheimnisse und ein uralter Hort des Wissens - das zweite magische Klingenwelt-Abenteuer der mehrfach preisgekrönten Fantasy-Autorin Ju Honisch.

Gegen jede Wahrscheinlichkeit gelangt Deruonn in den schwer zugänglichen Talkessel, in dem die Geheime Bibliothek Reyalun liegt, abgeschottet und verborgen vor der Welt. Nur einem einzigen Zweck gewidmet: alles Wissen zu bewahren, das im ewigen Krieg draußen verloren geht. Die junge Archivarin Shernay weiß, welches Schicksal einem Eindringling widerfährt, und gegen jede Vernunft beschließt sie, Deruonn zu retten. Als ihr Verstoß gegen das eherne Gesetz der Bibliothek entdeckt wird, bleibt Shernay keine Wahl, als mit dem faszinierenden Fremden zu fliehen. Die Welt außerhalb Reyaluns ist jedoch unberechenbar und brutal.
Das Wissen in Shernays Kopf wird zur Ware und zu der Waffe, die jeder Seite den Sieg bringen könnte ... (Verlagstext)

BLUTFELSEN ist ein eigenständiger Roman in der Welt von DIE GEHEIMNISSE DER KLINGENWELT und spielt ungefähr 100 Jahre vor dem ersten Band. Das macht die Geschichte etwas unschön, denn sie ist damit keine Weiterführung, sondern eine Vorgeschichte.
Solche Geschichten mag ich in der Regel nicht.


Der junge Mann Deruonn findet Eingang in den schwer zugänglichen Talkessel in dem die Reylun liegt, die verborgene Welt der Geheimen Bibliothek. Hier lebt das Mädchen Shernay. Die Mitarbeiter der geheimen Bibliothek sehen sich als Bewahrer des Wissens der Acht Reiche. Die Bewahrer des Wissens schreiben alles nieder und archivieren es. Generation um Generation wird das Wissen weitergegeben. Man hält das Bergtal für unerreichbar, unbekannt und damit für der Menschheit verschlossen. Um so überraschter war Shernay, als Deruonn auftaucht. Shernay findet den verletzten Mann und ist von ihm fasziniert. Statt die Bewahrer, eine Art Aufsicht, zu rufen und so sein Schicksal zu besiegeln, versteckt sie den Fremden. Die Bewahrer sind der Ansicht, nur ein toter Eindringling ist ein guter Eindringling. Shernay setzt ihre eigene Zukunft aufs Spiel, als sie sich ins Archiv begibt um den geheimen Ausgang in Erfahrung zu bringen. Der fremde Verletzte, wird von ihr durch die endlos erscheinenden Höhlen gelotst. Gleichzeitig stellt sie fest, dass Deruonn ein gefährlicher Mann ist, der die Bewahrerwachen schnell und effizient ausschalten kann. Damit hat Shernay entgegen aller Vernunft das Tal und ihre Familie verraten hat.
Ein weiterer Handlungsstrang handelt von Nimry. Sie führte bisher ein behütetes Leben am Hof des Fyrsthen von Kalhsell. Ihr Leben ändert sich, als der Graav von Flynnt am Hof erscheint. Ihm wurde Nimry als Ehefrau versprochen, um die Loyalität zu erkaufen. Denn der wichtige Verteidiger seiner Grenzen ist ein wichtiger Verbündeter, dessen Wohlwollen zu halten gilt. Der Graav will den achtzehnten Geburtstag von Nimry nicht abwarten, sondern gleich mitnehmen. Nimry fühlt sich nicht wohl, denn sie wäre dessen fünfte Frau. Die bisherigen Ehefrauen starben alle plötzlich an unvorhergesehenen Krankheiten. Nimry hegt den Verdacht, dass der Graav seine Frauen vergiftete. Ihr bleibt also nichts anderes übrig, als möglichst viel Wissen über Gifte und Gegengifte zu lernen. Während des Halts in der Herberge erfährt der graav von einem angriff auf die Grenze, reist überstürzt ab und nur Nimry und ein Leibwächter bleiben zurück.
Das Buch hat zwei Schwächen. Die Geschichte zieht sich etwas, das Tempo ist, nun sagen wir, gemächlich. Die zweite Schwäche ist, dass sich die handelnden Personen immer wieder die gleichen Gedanken machen.
Wer den ersten Band nicht gelesen hat, wird nichts vermissen. Der Band ist durchaus als eigenständiges Werk zu sehen. In dieser Hinsicht gelungen aber im Verband mit dem ersten Buch bleibt es etwas hintendran.
Sicherlich wird Ju diese Betrachtung des Buches nicht ganz gefallen. Aber sie weiss, dass ich keine "Gefälligkeitsvorstellungen" schreibe. Das Buch hat gerade mal 

Marina Heidrich GO!DESSIA – DAS MÖHRCHEN-MASSAKER
Titelbild und Zeichnungen: Christine Schlicht
Leseratten Verlag (16.04.2018) 405 Seiten 15 €
ISBN 978-3-945230-32-9

Wenn man nach diesem Buchtitel sucht, findet man den Blanvalet Verlag als erstes. Dort erschien von Berit Hullmann das Buch: DAS MÖHRCHEN-MASSAKER: Eine Mama packt aus.

Angestaubte Götter - dass wir nicht lachen!
Unsere reinkarnierten Seelen stecken zwar nicht in Superhelden-Körpern, aber wir haben Möhrchen … und den Groove.
Unser Hauptjob: Götter.
Unser Zweitjob: Wir sind Go!Dessia und unsere Band rockt nicht nur Bühnen.
Unser Schicksal: Die Welt retten - immer und immer wieder gerne.
Du denkst, Du hättest schon alles gelesen? Dann zieh Dir besser Omas Gummihöschen an, denn dieser Thriller politisch vollkommen unkorrekter Tatsachen ist nicht nur für Rockmusiker, die Fantasy lieben. Sondern auch für Fantasy-Fans mit Hang zum Headbangen. Eine quietschbunte, fiese, liebevoll-gemeine und vollkommen kranke, aber ehrliche Liebeserklärung an die Freundschaft und die Musik. Und an Möhrchen. (Verlagstext)

Ein vollmundiger Verlagstext, aber hält das Buch, ein Buch über Götter, das, was es verspricht? Ein Buch über eine Rockband? Ist nicht neu. Musik in der Phantastik? Muss sich oft mit dem Bannsänger-Zyklus von Alan Dean Foster messen, oder Armageddon Rock von George R. R. Martin oder ... Naja, es gibt noch einige mehr. Ein Buch über die Geschichte der Welt, wäre neu erzählt von Ewald Frie, oder die Buchreihe aus dem C. H. Beck Verlag? Ein Buch über eine Frau und vier Männer in schwarz? Mit den Man in Black hat das weniger zu tun als mit den Skorpions. Ein Buch über Reinkarnation? Das wäre nichts für Vegetarier und ihre Sonderform die Veganer, schliesslich bedeutet dies, aus dem lateinischen übertragen, Wiederfleischwerdung. Aber immerhin Muslime, Juden, Christen, Hindus und Buddhisten wären angesprochen. Ein Buch über dicke Kumpels unter Göttern und Dämonen? Da verweise ich doch auf Manfred Lurker und sein Lexikon.
Aber jetzt mal zur Sache. Wir haben es mit drei Göttern, einer Göttin und einem Dämon zu tun. Vor allem war mir die Dämonwerdung so noch nicht bekannt. Einfach mal so ein heiliges Feuer auspinkeln. Aber das bleibt der einzige Spoiler dieses unglaublich witzigen Buches. Ich war sehr angetan von der lockeren Schreibweise um die glorreichen fünf ohne Glorienschein. Sie treffen sich immer wieder in ihrer Wiedergeburt. Sie werden geboren, leben, erkennen sich irgendwann, retten die Welt, sterben und werden wiedergeboren. Das Rad der Zeit nimmt sie voll mit.
Das Buch beginnt mit der Vorstellung jedes einzelnen Mitglieds der Band Go!Dessa, als da wären Bimmel, Didi, Sal, Ansgar und die Göttin Mia. Kurz darauf beginnt der Roman und man erfährt noch mal alles. Diese Wiederholung ist der einzige Nachteil des Buches, bei dem ich wirklich meinen Spass hatte. Zum Inhalt will ich gar nichts erzählen, denn es müsste sehr oberflächlich bleiben. Vor allem der lockere Schreibstil hat mir mehr als einmal ein schmunzeln entlockt.
Fazit: Das Buch ist verrückt, verrockt, verschroben. Einfach: Supercalifragilisticexpialigetisch. 

Internationale Phantastik

DER SOMMERDRACHE
Todd Lockwood DIE EWIGEN GEZEITEN
Originaltitel: the summer dragon (2016)
Übersetzung: Franca Fritz und Heinrich Koop
Titelbild und Zeichnungen und Karte: Todd Lockwood
Ficher Tor Verlag (25.04.2018) 652 Seiten 16,99 €
ISBN: 978-3-596-29860-0

Der Sommerdrache ist ein mythisches Wesen und wird wie ein Gott verehrt. Wann immer er auftaucht, kündigen sich große Veränderungen an – für das ganze Reich und alle seine Bewohner. Genau wie ihr Bruder Darian wird Maia, Tochter eines Brutmeisters in einem wolkenumhangenen Drachenhorst, einmal selbst ihren eigenen Drachen bekommen. Doch als sich der Bruttag nähert, wird klar, dass sämtliche Drachenbabys in die Hände des Militärs geraten werden, weil ein Krieg an den Grenzen des Reiches droht.
Enttäuscht flieht Maia in die Wildnis, wo sie auf eine toten weiblichen Drachen stößt. Ihr wird klar, dass irgendwo dort draußen ein wildes Jungtier auf seine Mutter wartet: Kurzerhand macht sie sich auf die gefahrvolle Suche danach – und stößt auf ein Geheimnis, das das Schicksal des ganzen Reiches verändern könnte. (Verlagstext)

Die junge Maia, Tochter des Drachenzuchtmeisters, wünscht sich nichts sehnlichster, als endlich ein eigenes Drachenjunges zu besitzen. Sie wächst in einem Aery auf, einem Ort, an dem Drachen ausgebrütet und aufgezogen werden. Die neue Brut sieht vielversprechend für Sie und ihren Bruder Darian bis zum eigentlichen Netsttag. Denn am Nesttag erscheint eine Delegation des Kaisers, die sämtliche Jungtiere für das Militär beschlagnahmen.
Enttäuscht und verärgert machen sich Maia und Darian auf in die Wildnis. Hier treffen sie auf die Leiche eines weiblichen Drachen, der von Wilderern gejagt wurde. Dies ist jedoch nicht die einzige Besonderheit, denn ihr begegnet der mystische Sommerdrache. Wieder zuhause versetzt ihre Geschichte alle in helle Aufregung. Vor allem die religiösen und militärischen Repräsentanten streiten darüber, welche Bedeutung der Sommerdrache für sie hat. Maia hingegen hat ganz andere Sorgen. Sie beschäftigt der tote weibliche Drache. Denn ihr stellt sich nur eine wichtige Frage. Wo ist ihr Junges? Um dies herauszufinden, macht sie sich auf den Weg, zurück in die Wildnis.

Todd Lockwood erschuf eine wundervolle, fantasie- und facettenreiche Welt. Mit dem spannenden Einstieg um Cuuloda war das Buch sofort eines der wenigen Werke, die den Leser von vornherein gefangen nimmt und erst wieder loslässt, wenn die letzte Seite umgeschlagen wurde. Trotz der vielen Handlungsträger konnte man sich schnell in die Handlung hineinversetzen. Das Buch liess sich flüssig lesen, ohne sprachlich platt zu wirken.
Ein Bonus in diesem Buch sind die Zeichnungen, die der Autor seinem Buch spendierte. Auch die farbige Karte bietet einiges. vor allem jedoch Assoziationen. Dort wo Trand liegt erinnert sehr an Italien, links daneben an Griechenland und rechts daneben an Norwegen und Schweden. doch sei es wie es ist. Es fördert die eigene Gedankenwelt und man kann sehen, wo die Erzählung spielt. Karte, Zeichnungen und Text ergeben ein zusammengehöriges Werk. Ich möchte die Bilder nicht missen, auch wenn ich manches Mal eine andere Vorstellung hatte. 

MEISTERWERKE DER DUNKLEN PHANTASTIK 3
Elinor Wylie EIN NEFFE AUS VENEZIANISCHEM GLAS
Originaltitel: The Venetian Glass Nephew (1925)
Übersetzung: Andreas Schiffmann
Titelbild: Mark Freier
Blitz Verlag 1403 (2016) 160 Seiten 12,95 €
www.blitz-verlag.de

Elinor Wylie, geborene Elinor Morton Hoyt; *7. September 1885 in Somerville, New Jersey; †16. Dezember 1928 in New York City) war eine Romanautorin und Dichterin.
Die Tochter des Juristen und späteren US Solicitor General Henry M. Hoyt und Enkelin des Gouverneurs von Pennsylvania Henry Hoyt schloss ihre Schulausbildung 1904 an der Holton-Arms School in Washington, D.C. 1906 brannte sie mit dem Studenten an der Harvard University Philip Simmons Hichborn, Sohn eines Konteradmirals, durch und heiratete diesen am 13. Dezember 1906. 1910 verließ sie Hichborn wegen Horace Wylie und heiratete diesen 1916. Die Trennung von seiner Frau war letztlich Auslöser für den Suizid Hichborns im Jahr 1912. 1921 gab sie ihr schriftstellerisches Debüt mit der Anthologie Nets to Catch the Wind und gewann dafür den Julia Elsworth Ford Prize. Nach der Scheidung von Wylie heiratete sie im Oktober 1923 in dritter Ehe den Dichter William Rose Benét. Nach dem Gedichtband Black Armour (1923) erschienen die höchst individuellen Romane Jennifer Lorn (1923), The Venetian Glass Nephew (1925), The Orphan Angel (1926), der von Percy Bysshe Shelley und Mary Shelley handelt, sowie Mr Hodge and Mr Hazard (1928). Nach ihrem Tode erschienen drei weitere Anthologien mit den Titeln Angels and Earthly Creatures (1929), Collected Poems (1932) sowie Collected Prose (1933). Während ihre Romane fantasievoll und künstlich wirkten, waren die Gedichte knapp, direkt und positiv geschrieben.
Damit ist die Autorin erst einmal ausführlich vorgestellt. In Deutschland dürfte sie nicht sonderlich bekannt sein, auch wenn sie u.a. im Lexikon der phantastischen Literatur von Rein A. Zondergeld erwähnt wird.

Das Buch handelt von Peter Innozenz Bon, seines Zeichens Kardinal, dessen Wege wieder nach Venedig führen und der sich als recht naiv herausstellt. Gleichzeitig stellt sich dann jedoch die Frage, wie er den Posten eines Kardinals erhalten konnte. Wie dem auch sei, der venezianische Glasbläser Alvise Luna und Monsieur de Chastelneuf, den Chevalier de Langeist, versuchen den Kardinal um einiges seines Geldes zu erleichtern. Der Kardinal hätte so gern einen natürlichen Verwandten, einen Neffen, aber irgendwie hat das in seiner Familie nicht hingehauen. Stattdessen erwirken der Glasbläser und der Magier einen Zauber, der einen jungen Mann erschafft, mit einem gläsernen Herzen. Weil dieser Zauber nicht am Donnerstag, sondern an einem Freitag stattfand, ist er mit seinem Herzen fähig, Gefühle zu erzeugen und wahrzunehmen.

Wie bei allen alten Büchern ist es die Sprache, die mich fasziniert. Damals ging man mit ihr, gerade literarisch, ganz anders um als heute. Bei vielen Fantasy-autoren wird eine gestelzte Sprache eingesetzt, die an "altertümlich" erinnern soll, ohne es je gewesen zu sein. Dann wiederum gibt es Bücher wie diese. Ich zolle Andreas Schiffmann meinen ganze Respekt, dass es ihm gelang die alte amerikanische Sprache so zu übersetzen, wie es alte deutsche Sprache gewesen ist. Alles in Allem ist das Buch lesenswert, wenn man sich an die Ausdrucksweise und den langatmigen Erzählstil gewöhnt hat. 

Hörspiele

SHERLOCK HOLMES 34
Herman Cyril McNeile DIE QUIETSCHENDE TÜR
Sprecher: Joachim Tennstedt, Detlef Bierstedt, Janina Sachau, Jaques Breuer, Rolf Berg, Matthias Lühn, Louis Friedemann Thiele, Sascha von Zambelly, Thomas Balou Martin
Titelbild: Ertugrul Edirne
Titania Medien (2018) 1 CD = 70 Minuten 8,95 €
ISBN 978-3-7857-5630-0

Sherlock Holmes wird von Katherine Moody aufgesucht und gebeten in einem Fall tätig zu werden, den die Polizei bereits als gelöst betrachtet. Katherine entpuppt sich als das Mündel von John Playfair, in dessen Haus die grausame Tat geschah und für die ein Nachbar verhaftet wurde. Dennoch gelingt es der jungen Frau den Meisterdetektiv zu überzeugen, zumindest einen Blick auf das Haus zu werfen.
Gemeinsam mit seinem Freund Dr. Watson macht er sich auf, um den Tatort aufzusuchen. Ihm liegt es daran um sich selbst ein Bild zu machen. Auf den ersten Blick scheint es so zu sein, als habe die Polizei den tatsächlichen Täter gefasst. Doch dann quietscht eine Tür.

Auch wenn die Erzählung nicht von Arthur Conan Doyle stammt, ist die Konstruktion der Geschichte ganz auf diese Erzählweise abgestimmt. Ein Klient, bzw. eine Klientin sucht den Meisterdetektiv mit einem Problem auf. Holmes stellt seine Fragen, entschliesst sich zum Besuch des Ortes, an dem das Verbrechen geschah. Und aus einem scheinbar nichtigen Grund übernimmt der Detektiv den Fall. Damit entspricht er der klassischen Vorgehensweise von Arthur Conan Doyle.

DIE QUIETSCHENDE TÜR spielt mit der üblichen holmschen Ermittlungsarbeit, wobei es ihm wieder einmal mehr gelingt, seine berüchtigten Alleingänge durchzuführen und mit seinen Gedanken und Schlussfolgerungen allen anderen Beteiligten weit voraus zu sein. Hier glänzt Joachim Tennstedt in seiner Paraderolle als Sherlock Holmes. Er scheint inzwischen ganz in seiner Rolle des leicht unterkühlten Meisterdetektivs aufgeht. Detlef Bierstedt als sein Partner Dr. Watson gelingt es nicht nur, den Mann zu bewundern, sondern sich auch über ihn zu amüsieren, manchmal aber auch zu resignieren, wenn Holmes mal wieder über die Stränge schlägt. Janina Sachau als auftraggebende Klientin Katherine Moody überzeugt als junge Frau. Mit ihrer Stimme und den erzählerischen Zudringlichkeiten wirkt sie sehr lebensecht. ihre sympathische Stimme kann alle Emotionen ausdrücken. Sehr gelungen. Jacques Breuer, vor kurzem noch als Sweeney Todd im Gruselkabinett überzeugt als John Playfair. Er spielt einen überheblichen Gutsherrn mit etwas herablassendem Unterton, als sei er etwas wirklich Besseres als alle anderen um sich herum. Dieser Einsatz gefällt mir sehr gut, zeigt er doch gleich, dass er mehr kann als nur Böse. Marc Gruppe scheint die Rolle ihm auf den Leib geschrieben zu haben. Rolf Berg, der als Bernard Power als schmieriger Lüstling und Frauenbelästiger auftritt, macht seine Arbeit hervorragend.
Meine Erwartungen an die Produktion von Titania Medien sind wie üblich HOCH. Kann gar nicht anders sein, denn der eigene Anspruch von Stephan Bosenius und Marc Gruppe fallen nicht niedriger aus. Neben der üblich guten Musikauswahl ist der Einsatz von Geräuschen und Effekten zurückhaltend, aber wirkungsvoll eingesetzt.
Ich kenne das Original nicht und nachdem ich das Hörspiel genoss, will ich es auch gar nicht mehr. 



GRUSELKABINETT 136
H. G. Wells DAS KÖNIGREICH DER AMEISEN
The Empire of the Ants The Strand Magazine (December 1905)
Sprecher: Simon roden, Jean Paul Baeck, Joachim Tennstedt, Marc Gruppe, Bert Stevens, Bodo Primus
Titelbild: Ertugrul Edirne
Titania Medien (2018) 1 CD = 56 Minuten 8,95 €
ISBN 978-3-7857-5628-7

Vor einigen Monaten stellte ich von Oliver Döring das Hörspiel DAS IMPERIUM DER AMEISEN des Autors Herbert George Wells vor. Nun steht Marc Gruppe mit dem gleichen Hörspiel unter dem Titel DAS KÖNIGREICH DER AMEISEN im Haus. Da Herbert George Wells nun knapp über 70 Jahre verstorben ist, sind in Deutschland die Rechte frei geworden. Man kann also davon ausgehen, dass nicht nur Titania Medien den Autor vertonen werden. Welche der Hörspiele nun besser sind, entscheidet allein der Geschmack der Hörer. Wichtig ist nur, dass alle Hörspielschaffenden sich grösste Mühe geben und nicht einfach nur locker leicht vorlesen.
Die Erzählungen von H. G. Wells sind oft Untergangsszenarien, wie KRIEG DER WELTEN oder in diesem Fall DAS KÖNIGREICH / IMPERIUM / REICH DER AMEISEN (je nachdem man welcher Übersetzung folgt). Der Untergang der Menschheit, beschäftigt ihn immer wieder. In dieser Erzählung wird die Menschheit von den Insekten bedroht. Die kleinsten Wesen kämpfen gegen die (scheinbar) intelligentesten. Wer gewinnen wird, ist klar, denn es gibt wesentlich mehr Insekten als Säugetiere und der Mensch ist nur eine Spezies davon. Die Geschichte um die Folgen der stetigen Zerstörung des Regenwaldes, das Aufbäumen Mutter Naturs, gegen den Raubbau am Lebensraum vieler Arten, ist eine sehr spannende Metapher. Wenn man bedenkt, wann die Erzählung das erste Mal erschien (1905) und wie aktuell sie schon wieder ist, stellen sich dem Hörer / Leser doch diverse Fragen.
Mit wenigen Sprechern, einer sparsamen Musik- und Geräuschkulisse sowie arbeitet Titania Medien sehr nah an der Erzählung. Zu den altbewährten Sprechern, die gelungene Inszenierung muss man im Prinzip nichts sagen. Die ist, bei Titania nicht nur üblich, sondern gehobener Standard. 



GRUSELKABINETT 137
Robert E. Howard AUS FINSTERER TIEFE
Titelbild: Ertugrul Edirne
Sprecher: Bert Stevens, Detlef Bierstedt, Dana Fischer, Bodo Primus, Dagmar von Kurmin, Simon Roden, Marc Gruppe u.a.
Titania Medien (27.04.2018) 1 CD = 35 Minuten 7,99 €
ISBN 978-3-7857-5629-4

Die bekannteste Figur von Robert E. Howard ist Conan der Barbar. Er wurde mehrfach verfilmt und später von den unterschiedlichsten Autoren weitergeführt, so dass aus den wenigen Beiträgen von Howard selbst, über 30 Romane erschienen.
Dass er aber auch Piratengeschichten, Western und andere Abenteuergeschichten schrieb ist weniger bekannt. Mit Mit AUS FINSTERER TIEFE weckt Titania Medien die Neugier auf eine aufregende Horror-Erzählung. Die Geschichte beginnt sehr vielversprechend. Was mir nicht gefiel, ist die Kürze der Erzählung von 35 Minuten. Hier wäre es durchaus möglich gewesen, eine zweite Kurzgeschichte zu veröffentlichen oder gar miteinander zu verbinden. Allerdings wurde die Geschichte verändert. so wie ich sie im Original kenne wurde sie nicht umgesetzt.
Zum Inhalt: Margeret Deveral ist mit einem Fischer verbandelt. Sie verabschiedet ihren Geliebten in den frühen Morgenstunden, damit er aufs Meer zum fischen fahren kann. Am Abend ist der Mann tot. Die Bewohner des kleinen Fischerdorfes Faring Town sind erschüttert. Der junge Adam Falcon ertrank kurz vor seiner Hochzeit. Als man die angeschwemmte Leiche barg, soll seine Verlobte den Toten dem alten Brauch nach, ein letztes Mal küssen. Widerwillig führt sie den Brauch durch. Sie behauptet, dies sei nicht ihr Geliebter. Die Dorfbewohner reagieren mit Unglauben. Doch dann folgt die Nacht der Totenwache, die für viele noch im Gedächtnis bleiben wird.
Die musikalische Umsetzung ist, wie üblich in den Titania Produktionen, gut. Das gleiche gilt für die düstere Untermalung. Allerdings gibt es in dieser Produktion sehr viele Punkte, die mir nicht gefallen. ich will weder auf die veränderten Inhalte, und auch nicht auf die Geräusche, Stimmen und Musik. Leider gibt es überall Abstriche, die kein gutes Licht auf diese Produktion fallen lassen. Letztlich ist es aber nur eine Produktion unter fast 150, die aus dem Rahmen fällt.
Mein Fazit ist für diese Produktion jetzt nicht so begeistert wie sonst. 

Comics

Alan Moore
DIE LIGA DER AUSSERGEWÖHNLICHEN GENTLEMEN Band 1
Originaltitel: the league of extraordinary gentleman (2015)
Übersetzung: Gerlinde Althoff
Zeichnungen: Kevin O'Neill Farben Ben Dimagmaliw
Panini Verlag (23.01.2009) 192 Seiten 19,99 €
ISBN: 978-3-8660-7708-9

London 1898. Die viktorianische Epoche nähert sich ihrem Ende, das 20. Jahrhundert rückt näher. Es ist eine Zeit großer Veränderungen und eine Ära der Stagnation, eine Periode sittlicher Ordnung und schändlich chaotischer Zustände. Es ist eine Epoche, die Helden braucht. Allan Quatermain, Kapitän Nemo, Hawley Griffin, Dr. Henry Jekyll, Mr. Edward Hyde und Mina Murray sind diese Helden, und gemeinsam bilden sie die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen . Angeworben vom rätselhaften Campion Bond, der seine Befehle vom mysteriösen M erhält, werden die sechs Abenteurer in den Dienst ihres Empires genötigt, als dieses sie braucht. Sie müssen einem teuflischen Doktor und seinen tückischen Plänen zur Übernahme der Weltherrschaft entgegentreten. Doch die Dinge sind nicht immer, was sie scheinen, auch andere Faktoren, kryptische wie korpuskuläre, spielen eine Rolle. Ein bemerkenswertes Drama entfaltet sich. (Verlagstext)
Großbritannien anno 1898. Das Empire sammelt seine Helden. Ein gewisser Herr Bond stellt im Auftrag des britischen Inlands-Geheimdienstes MI5 unter einem mysteriösen Mr. M. ein Team zusammen. Mr. Bond beauftragt Mrs. (Wilhel)Mina Murray (verwitwete Harker (Autor Bram Stoker)) eine Gruppe zusammenzustellen, die wiederum eine delikate Aufgabe lösen soll. So holt Frau Harker den opiumsüchtigen Herrn Quatermain (Autor Henry Rider Haggard) aus einer Opiumhöhle, sucht Kapitän Nemo (Autor Jules Verne), den Arzt Dr. Jekyll in Paris (Autor Robert Louis Stevenson) und den Unsichtbaren (Autor Herbert George Wells). Diese spezielle Truppe soll die mysteriöse Substanz Cavorit wiederbeschaffen, die durch den „Chinesischen Doktor“ (alias Fu Manchu (Autor Sax Rohmer)) gestohlen wurde. Das seltene Element, im selben Jahr entdeckt wie Madame Curies Radium, bringt alles zum Schweben. Da im viktorianischen Grossbritannien die Angst vor einem Luftkrieg umgeht, steht die Wiederbeschaffung im Vordergrund. Diese Angst scheint berechtigt, denn der Chinamann baut an einem Luftschiff, um den Westen Londons anzugreifen. Denn er kontrolliert als böser Verbrecher den Osten Londons, während ein anderer den Westen kontrolliert. Niemand anderes als Mr. M. Frau Harker hält ihn die ganze Zeit für Mycroft Holmes, den Bruder von Sherlock Holmes, doch er ist niemand anderes als Moriarty (Autor Arthur Conan Doyle).
Im Laufe der Ermittlungen deckt die kleine ungewöhnliche Eingreiftruppe eine Verschwörung auf. Diese ist weitaus größer als der Diebstahl des Cavorit vermuten lässt.

Alan Moore und sein Zeichner Kevin O'Neill treiben es mit ihrer Liga, aus den unterschiedlichsten Literaturcharakteren bestehend, wirklich bunt. Mit ihrem Rückgriff auf viktorianische Autoren (es ist keine Frau darunter) und deren Erzählungen öffneten sie eine Schatztruhe an phantastischen Eingebungen. In einer Welt, in der sich jeder Steam-Punker wohlfühlt, setzen sie eine spannende Erzählung in Gang, die so noch niemand anderes erzählte. Aberwitzige Situationen, manchmal frivol, etwa wenn der Unsichtbare Hawley Griffin als Heiliger Geist in einem Mädchenpensionat über die Jungfrauen kommt, reihen sich aneinander, nur scheinbar unlogisch. Denn in dieser Erzählung stimmt alles, auch wenn es auf dem ersten Blick nicht so aussieht. Natürlich gibt es auch hier gigantische Übertreibungen, die sich aber schnell selbst erledigen. Die beiden Künstler schufen eine düster-nostalgische Welt auf der Literatur des Jahres 1898 basierend und mit jeder Menge Anspielungen, und wenn es nur ein Nebensatz oder eine Bildeinzelheit ist. Der Stil des Comics ist so gestaltet, dass man ihn für einen Teil der alten Literatur halten könnte. Dabei gibt es noch schöne Extras. Die absurden Lebensläufe der Künstler, ein Fortsetzungsroman zu Alan Quatermain, seltsam gestaltete Anzeigen. Alles in allem ist das Heft mit seinen 192 Seiten der reinste Lesegenuss. Die Zeichnungen und die Aufmachung des Bandes sind hervorragend, die Handlung überzeugend, spannend und immer wieder überraschend aufgebaut. Als Kenner der viktorianischen Literatur ist man begeistert über die vielschichtig ausgearbeiteten Charaktere. Ohne viel überlegen erkennt man die Nähe zu den klassischen Originalen. 

LUSTIGES TASCHENBUCH 506
TATORT ENTENHAUSEN
Gorm Transgaard Tatort Entenhausen Crime Scene Duckburg
Paolo Mottura Die Traumfabrik
Enrico Faccini Normal sein kann jeder: Blitzeblank
Tito Faraci Das Erwachen der Vergangenheit
Stefano Intini Die Eine-Millionen-Taler-Münze
Giorgio Fontana Mathematik macht müde
Riccardo Secchi Auf Bares folgt Rares
Massimiliano Valentini Gustav Gans' Grandhotel
Enrico Faccini König des Chaos: Spieglein, Spieglein ...
Gaja Arrighini Im Landknasthof
Egmont Ehapa Verlag (24.04.2018) 254 Seiten 6,50 €

Tatort Entenhausen ist die kriminelle Seite der Metropole Entenhausen. Alle Geschichten befassen sich mit Kriminalfällen. Alle? Nein, eine Geschichte ist eindeutig Science fiction und enthält keinerlei Krimielemente. Tito Faraci Erzählung Das Erwachen der Vergangenheit erzählt von einer Invasion auf der Erde. Gut erzählt, aber dennoch eine Science Fiction Erzählung.
Bei einem Titel wie Tatort Entenhausen denkt man zunächst mal an eine neue Unternehmung Verbrechen der Panzerknacker. Vielleicht sogar mit Phantomias. Nun, auch er hat seinen auftritt. Doch die erste Erzählung wendet sich an Donald Duck der sich als Kriminalist betätigen will. Mit irgendetwas muss er ja Geld verdienen. Der Job als Münzenpolierer oder Lagerschuppenreiniger erscheint ihm nicht gewinnbringend. Bei einem Besuch am Polizeirevier gerät er in eine Tagung der bekanntesten Kriminalermittler. In diesem Fall sind es jedoch die Helden der Tatortserie des Ersten Deutschen Fernsehprogramms. Natürlich fällt es Tatort-Kennern sehr leicht, die ermittelnden Kommissare zu erkennen. die Männer der Gerechtigkeit tagen gemeinsam, um einen Fall zu klären. Man hat natürlich nicht auf ihn gewartet und gibt ihm einen Teilauftrag.
Das ist die Grundgeschichte mit dem Ermittler-Duo aus Münster, Jan Josef Liefers und Axel Prahl als Börne und Thiel. Ebenso tritt als Homage der inzwischen verstorbene Götz George als Schimanski auf.
In den weiteren Erzählungen tritt der schusselige Dussel auf, wird unfreiwillig zum Ermittler und verhilft Onkel Dagobert zum gesunden Schlaf. Aber auch Micky Maus und Goofy ermitteln in der Traumfabrik. Es geht um verschollene Filme, geheimnisvolle Personen und allerlei ungereimtes. Natürlich sind die Lieblingsgangster aus Entenhausen, die Panzerknacker AG, dabei.
Die lustigen Taschenbücher erscheinen monatlich und bieten immer wieder gute Unterhaltung. Die Kurzgeschichten dieses Bandes sind kriminell gut, unterhaltsam, spannend, humorvoll, einfach donald-duckisch. 

DOCTOR STRANGE 6
John Barber und Dennis Hopeless DER HEXER VON NEW YORK
Titelbild und Zeichnungen: Juan Manuel Frigeri, Niko Henrichon, Kevin Nowlan
Originaltitel: Doctor Strange 21 – 26 (2015)
Übersetzung: Marc-Oliver Frisch
Panioni Verlag (08.05.2018) 148 Seiten 16,99 €
ISBN: 978-3-7416-0631-1

Das Hydra-Regime, angeführt von Captain Amerika, hat New York unter einer Kuppel aus dämonischer Darkforce-Materie eingesperrt. Verschiedene Helden des Marvel-Universums sind ebenfalls dort eingesperrt und kommen nicht heraus. Dies wäre alles noch halbwegs erträglich. Aber die Welt innerhalb dieser Kuppel wird von Monstern bewohnt, die die schlimmsten Albträume der Menschen als harmlose Märchen erscheinen lässt. Daredeveil, Spider-Woman, Luke Cage, Cloak, Iron Fist und andere sind unterwegs. Den Menschen zu helfen, die Monster zu töten. Aber über allen thront Dr. Stephen Vincent Stranges alter Feind, Baron Mordo. Ausgerechnet in einer Sphäre in der sich Dr. Stranges‘ Sanctum Sanctorum hat sich Mordo niedergelassen.
In den ersten vier Episoden um den Meistermagier ist der Hydra Hintergrund des Secret Empire massgeblich. Dr. Strange und seine Helfer erhalten zudem ungewöhnliche Hilfe. King Ping alias Wilson Fisk hat es tatsächlich geschafft eine Heimstatt zu errichten, in der er von Magie geschützt ist und ihn keinerlei Monster angreifen können.
Das Heft Doktor Strange enthält zudem zwei weitere Episoden, in denen es nicht um das Secret Empire geht. Die Welt ist wieder in Ordnung, wenn man von diversen übernatürlichen Problemen absieht.
Während mir das Titelbild nicht (mehr) gefällt, es ist besser als das aus den 1970er Jahren, bin ich aber von anderen Titelbildern verwöhnt, deren Künstler weitaus bessere Qualität abliefern. In den ersten vier Episoden gefällt mir das Duo Dennis Hopeless und Niko Henrichson sehr gut. Die Geschichte ist rund, stimmig und die Zeichnungen leben von einer gelungenen Dynamik. Monster deren phantastischen Gestalten und Körper immer wieder überraschen werden lebendig dargestellt, die Menschen in ihrer Hilflosigkeit lebensecht gezeichnet.
Der neue Sammelband bietet beste Unterhaltung. Ich bin sehr zufrieden, vor allem mit den Zeichnungen von Niko Henrichson. Er ist es, der die Handlung bestens zum Leben erweckt. 

LUSTIGES TASCHENBUCH COLLECTION 6
Matteo Verenus KAMPF DER ZAUBERER
Titelbild: Roberto Marini Zeichnungen: Roberto Marini u.a.
Egmont Ehapa Meida (26.04.2018) 232 Seiten 7,99 €

Die Zeit ist gekommen, neue heldnhafte Abenteuer mit Mickymago und seinen Mannen zu erleben. Ausschlag gibt der Zaubograf von Meister Nereus. Dessen Magieseismometer schlägt aus und weist auf Magie im hohen Norden hin. So sieht er sich genötigt, Mickymago, Don Uck und Goofimistos im eisernen Drachen auszusenden, die Magiequelle zu finden. Es gilt für die heroischen, magiekundigen Helden herauszufinden, ob die magische Macht eine Gefahr darstellt oder nicht. Der Ursprungsort der Magie findet sich recht schnell im Gebirge. Allerdings findet sich diese tief im Berg selbst, wo sich Zwerge auf die Suche begeben, den Urstoff der Magie zu finden. Mehrere Zwergenvölker vor allem die älteren Zwerge, warnen vor unbedachter Erforschung des Ursprungs. Gefahr war allerdings für die Gefährten bisher nur ein Fremdwort, dessen Bedeutung sie immer wieder herausfinden wollen.

Nach dem hohen Norden folgt der ferne, unbekannte Osten. Auch die Gegenden dort sind Mickymagos Mannen fast gänzlich unbekannt. Selbst der weise Nereus hat keinerlei Kenntnis darüber, was sich jenseits des Felsentales befindet. Denn was hinter dem letzten bewohnten und bekannten Flecken sich befindet, ist ungewiss, weil ein Tabu besteht, diese Gegend zu erkunden. Dennoch, einer von Goofimistos Verwandten, ein Onkel, war dort. In einer Gegend, die selbst die alten Drachentitanen mieden der Teufel das Weihwasser. Im Haus von Goofimistos Onkel werden die Helden mit wirren Prophezeiungen konfrontiert. Auf dem Weg in den Osten treffen die Drei 1/2 (Don Uck hat seinen Drachen immer dabei) Helden auf die absonderlichsten Figuren und altbekannte Gegner.
In diesem sechsten Band der Collection KAMPF DER ZAUBERER geht es mit den Sagas sieben, acht und neun weiter. Die Drei 1/2 Helden haben alle Hände voll, die Welt zu retten, den anderen zu helfen und möglichst selbst nicht umzukommen. In vielen Geschichten finden sich Hinweise, Anspielungen und Zitate aus anderer phantastischer Literatur. So auch die Saga 9, die mich sehr an Sr. Strange erinnert. Dieser kämpfte gegen eine unmenschliche Macht, die alle Magie von der Erde entfernen wollte, ja aus allen Dimensionen sogar. In diesem Fall sind die Morgrim dabei, die Magie der Welt zu stehlen.
Neben den drei Sagas finden sich einige zusätzliche Kurzgeschichten, die kürzesten die berühmten 1-Seiter. Donalds Neffen beschwören einen dämon, der beim Haushalt helfen soll, Don Ucks Drache fackelt ein Wirtshaus ab, dafür fängt er eine berüchtigte Räuberbande und anderes mehr.
Die Reihe KAMPF DER ZAUBERER zieht sich nun bereits über einige Jahre hin. Daher hat Egmont Ehapa sich entschlossen, alle Teile neu aufzulegen. In einer handlichen Box kommen die sechst Taschenbücher auf den Markt. Wer also sich die Geschichten von Beginn an ansehen und durchlesen will, ist mit dem Schuber bestens bedient. 

Spiele



Joseph F. E. Reinthaler MONSTER!
Zeichnungen: Joseph F. E. Reinthaler
Homunculus Verlag (20.10.2015) 30 Karten 7,90 €

Als Literaturfan, liest man alles, was mit Phantastik zusammenhängt und wenn es noch so nebensächlich sein mag. Der Besuch auf der ersten Kasseler Buch im Mai 2018 brachte mir wieder etwas. Nebensächlich, ein Kartenspiel. Zu lesen gab es phantastische Zitate, denn der Untertitel von Monster! lautete: 30 Ungeheuer und Monstrositäten aus 3000 Jahren Weltliteratur.
Wie geschrieben, nebensächlich. In den Karten finden sich die meisten bekannten Monster. Von Viktor Frankenstein das erschaffene Monster zu der bösen Gottheit Chtulhu über den Golem bis zu Graf Dracula und so weiter. Es ist ein Quartettspiel mit "stechen" und so. Je grösser, desto erfolgreicher gegen kleine Monster, je älter das Buch, aus dem es stammt, desto besser gegen neuere Monster. Gerissenheit, Kuriosität, Gruselfaktor, sind andere Kriterien, die gelten können. Und es kann schon mal vorkommen, dass Drakula Cthulhu besiegt, weil das Veröffentlichungsdatum älter ist. Jabberwocky besiegt den Mondmann, weil er Kurioser ist und vieles mehr. Und dann wird das Spiel nicht mehr nebensächlich. Man setzt sich hin und spielt. Und dann ist die Hauptsache, zu gewinnen.
Ein unterhaltsames Spiel, dass auf Stunden hinaus für Unterhaltung sorgt. Die Bilder sind eher Karikaturen, die Werte auf den Karten treffend und die Zitate lehrreich. Ebenso, woher die Monster stammen, wer die Bücher schrieb etc. 

Fan- / Magazine

Follow 438
Titelbild: Anna-Lena Erdmenger
Fantasy Club e. V. 334 Seiten Mitgliedsbeitrag
ISSN: 1439-1716

Wie so viele Fan-, Club-, spezial-Magazine lebt auch dieses von und durch die Mitglieder. Der Fantasy Club e. V. umfasst um die 400 Mitglieder, die sich mit der Fantasy befassen. In erster Linie ein Literaturverein finden sich jedoch auch Zeichner und Übersetzer, Rollenspieler, Musiker, Larp-er und Filmemacher. Man lebt eine Rolle auf den unterschiedlichsten Treffen, wie bei einem richtigen LARP, nur dass LARP eigentlich mit dem Fantasy-Marsch erfunden wurde, der jedes Jahr auf dem großen Fest der Fantasy ausgeübt wird. Das Schöne ist, dass sich in diesem Cklub Menschen von Schweden bis Österreich treffen und einem gemeinsamen Hobby nachkommen.
Dazu gehört auch das Magazin Follow. In seiner mittlerweile 438sten Ausgabe stellen sich wieder Mitglieder mit ihren Kurzgeschichten vor und die unterschiedlichsten Clans mit ihrem Leben innerhalb der Gemeinschaft.



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