STARLIGHT UNION

GASTBEITRÄGE

Myria         von Claudia Markwardt

Myria, schon als Kind wurde sie während des großen Barbarenkrieges an den Recken Alberich verkauft, der sie unterdrückte und alle schweren und niederen Arbeiten verrichten ließ. Als seine Frau starb, musste Myria sich auch um die drei Kinder kümmern, um Dagnir, Elured und um die kleine Estel. Myria war mit dieser Aufgabe überfordert und bekam immer öfter Strafen, nichts zu Essen, ein anderes Mal schlug Alberich sie bis zur Besinnungslosigkeit. Aber trotz des schweren Lebens überstrahlte ihre Schönheit das Leid.

Sodriel, der Sohn des ältesten Anführers der Barbaren verliebte sich in Myria. Doch diese Liebe war im Stamm nicht gewollt, nicht von Alberich, dem dann ihre Arbeitskraft fehlen würde und nicht vom Schamanen, der Angst vor neuen Kulturen und fremden Glauben hatte. Als Sodriel bemerkte, wie sehr Myria leiden musste, wollte er mit ihr fliehen; schnell begannen sie mit den Vorbereitungen. In einer Vollmondnacht packten sie ihre Bündel und trafen sich an der alten Eiche. Doch ihre Flucht wurde belauscht. Hand in Hand liefen Sodriel und Myria weiter in die Steppe, gefolgt von der Barbarenmeute.

„Die Hexe hat Sodriel dazu verflucht ihr zu folgen“, schrie der Schamane überreizt. So konnte er Myria und ihre fremdartige Kultur vernichten und Sodriel, als kommenden Anführer, der ihm wohlgesinnt war, schützen. Die Verfolger kamen näher. Myrias Angst stieg, doch Sodriel lief mit ihr durch den weichen Sand der Steppe. Einige der ihnen folgenden Männer hatten sie eingeholt, sprangen vom Pferd und trennten die Verliebten. Sodriel versuchte Myria zu helfen, aber er wurde von drei Kriegern festgehalten. Einige Männer, darunter auch Alberich, gingen auf sie zu, grinsend, mit Peitsche und Messern in den Händen. Myrias Furcht stieg ins Unendliche, als sie plötzlich eine Vision durchflutete. Sie erhob eine Hand und zeigte mit der Handfläche auf ihren jahrelangen Peiniger, dabei löste sich ein Feuerball aus ihrer Hand und tötete ihn. Myria schrie erschrocken, ebenso wie die Männer auf. Sie machte sich den Moment zunutze, als die Barbaren auf ihren Kameraden blickten und sah zu Sodriel. Doch dieser sah sie angewidert an. „Geh, Hexe!“ Myria wollte ihm antworten, aber sein Blick war eisig, feindselig. Sie riss sich los und lief in Richtung des nahen Waldes, um sich dort zu verstecken. Die Krieger warfen ihr Speere und Pfeile nach, aber keiner traf sie, die hereinbrechende Dunkelheit schützte sie. Die Nacht war stockdunkel, die Männer ritten zurück zum Lager.
„Die wird die Nacht im Schnee nicht überstehen, warum also eine Hetzjagd in der Dunkelheit. Morgen holen wir uns ihren Kadaver!“ Aber Myria lief und lief, plötzlich stolperte sie in der Dunkelheit über einen Ast und verdrehte sich bei dem Sturz das Bein, dass sie der Schmerz nicht mehr aufstehen lies. Sie blieb im Schnee liegen, ängstlich, enttäuscht und mutlos.

Am frühen Morgen des nächsten Tages- Myria war mehr tot als am Leben- wurde sie von Elfenjägern gefunden, die sie mit zu ihrem Stamm nahmen. Dort wurde sie vom alten Schamanen Galad gesund gepflegt. Die Elfen duldeten ihre Anwesenheit, aber voll akzeptiert wurde sie auch hier nicht. Der Schamane beobachtete sein Mündel Tag für Tag, erkannte die in ihr ruhenden magischen Fähigkeiten. Nachdem ihre Gesundheit wieder voll hergestellt war, bat der alte Schamane Myria, sie solle ihm folgen; er würde ihre Gabe vervollkommnen. Sie stimmte zu, denn sie war der Auffassung schlimmer könnte ihr Leben nicht mehr werden. Der Schamanen zog mit ihr in die Einsamkeit, in eine kleine Berghütte hoch über der Ebene, auf der das Dorf errichtet worden war. Dort begannen sie mit einigen Ritualen, um ihre Fähigkeiten zu ergründen, wo kamen sie her? War es ein Erbteil eines ihrer Eltern oder war es eine göttliche Gabe zu ihrer Geburt? Doch Myria glaubte an keine gute Kraft in sich. Hätte sie sonst so ein Leben führen und so viel Leid ertragen müssen? Sie war auf alle Menschen und jedes Getier wütend; sie wollte mit ihren Kräften, die sie weder verstand, noch beherrschte, alle Stämme in einem großen Krieg führen und vernichten.
„Dann bin ich frei, frei von Angst, Scham und Erniedrigung!“ Der alte Schamane brachte ihr viel bei, änderte dabei ihr ganzes Wesen. Unbemerkt selbst für Myria verwandelte sie sich immer mehr in eine freundliche junge Frau. Erst erklärte ihr Galad einzelne Kräuter, dann Heilungsrituale, bis sie sich später in Telepathie und im Zukunft lesen versuchte. Myria erlernte den Umgang mit der Natur und den vier Elementen und am Ende ihrer Ausbildung hatte sie sich sogar die Liebe zu allen Lebewesen und Tieren angeeignet. Myrias Fähigkeiten waren wach gerüttelt und damit hatte Galad ihr ein neues Leben geschenkt, ein Leben ohne Angst und Böswilligkeit.

Doch Galad wurde krank und an einem kalten regnerischen Tag starb er in Myrias Armen. Er hatte sie gebeten, wieder zu den Menschen in die Ebene zu gehen und ihnen mit ihrem Wissen zu helfen und ihnen beizustehen. Myria beerdigte ihn hoch oben auf dem Gipfel, dann machte sie sich an den Abstieg. Im ersten Dorf, in das sie kam, stellte Myria erschrocken fest, dass inzwischen fünfzig Jahre vergangen waren. Sie machte sich auf den Weg zurück in das Barbarendorf. Dort erkannte sie, dass ihr damaliger Geliebter Sodriel inzwischen ein alter Mann war. Ohne sich ihm zu zeigen, ging sie ihren Weg weiter, doch wohin? Aber irgendetwas sagte ihr, sie wäre auf dem richtigen Weg, sie würde ihr Ziel erkennen. Als Myria einen Abhang besteigen wollte, rutschte sie ab und fiel auf die Felsen mitten im Fluss. Myria war fast tot, sie versuchte ihre Heilkräfte einzusetzen, doch sie konnte nur die schlimmsten Wunden heilen, auch die Schmerzen verringerten sich ein wenig, doch dann waren ihre Kräfte erschöpft. Sie schleppte sich ans Ufer des Flusses, wo sie erst nach einigen Tagen von einem Elfenkrieger gefunden wurde. Er brachte sie zu seinem Stamm und dort fand sie endlich ein Zuhause und die echte Liebe.

Die Hingebung zu Feanor, dem jungen Schamanen, brannte vom ersten Moment, der ersten Begegnung in ihr und ihm ging es ebenso. In ihren langen Gesprächen stellte sich heraus, dass Feanor der Sohn des alten Schamanen Galad, ihres Lehrmeisters war. Myria erfuhr, das er sie schon in Zukunftsvisionen gesehen hatte, als segensreiche Schamanin der Elfen und immer von ihr erzählt hätte, aber nie wusste, wo er sie finden würde. Myria begann in einem Ritual ihre Vergangenheit sichtbar zu machen; sie erfuhr, dass ihre Mutter die große Zauberin Javina und ihr Vater ein Barbar war, der Javina geraubt hatte, aber schon nach ihrer Zeugung für immer vom Antlitz der Erde verschwunden war.

Im späten Sommer, nach einer glanzvollen Vermählung mit Feanor, brachte Myria eine Tochter zur Welt; sie nannten sie Elurin. Myria sah in Liebe mit ihrem Mann ihre Tochter erwachsen werden. Doch erst jetzt, im 15. Lebensjahr übergab sie ihr die Kräfte, öffnete sie ihr Wesen für all das Wissen was Myria ihr geben konnte, die nun zu altern begann, erst jetzt konnte sie in vollster Zufriedenheit leben. Myrias Wissen ging auf ihre Tochter Elurin über; sie lernte in die Zukunft zu sehen und Heilkräuter anzuwenden. Von überall kamen Menschen, Elfen, auch Zwerge und viele andere um ihren Rat zu hören oder ihre Fähigkeiten zu erfragen. 

Frösche und Menschen       von Jutta Schönberg

Ich mähte gerade die Bergwiese meines Onkels - wie er es wünschte natürlich mit der Sense -, da hörte ich hinter mir ein merkwürdiges Geräusch. Wie ein ‚Plopp‘ klang es. Ich drehte mich um. Auf der Wiese stand ein UFO. Kaum hatte ich mich von dem ersten Schreck erholt, da stiegen aus dem Ding sechs merkwürdige Gestalten. Sie sahen aus wie Frösche, liefen aber auf zwei Beinen, wobei sie etwas schwankten. Sie bildeten einen Kreis, legten sich die Arme um die Schultern, beugten ihren Rumpf nach vorne und riefen etwas, das wie „Humpf“ klang. Es erinnerte mich an die Beschwörungen einer Sportmannschaft vor dem entscheidenden Spiel.
Einer von ihnen kam auf mich zu. Er stellte sich mir gegenüber, dann nieste er einmal kräftig in die Hand, die er mir daraufhin entgegen streckte. Ich dachte an außerirdische Viren und schlug lieber nicht ein. Der Frosch forderte mich mit Gesten dazu auf, ebenfalls in meine Hand zu niesen. Dabei entblößte er ein Gebiss, das an ein mittelgroßes Raubtier erinnerte. Ob das als Ermunterung oder als Drohung gemeint war, konnte ich nicht entscheiden. Jedenfalls musste ich gerade nicht niesen. Ich rupfte also einen Grashalm ab und steckte ihn mir zur Unterstützung in die Nase. Leider blieb der erhoffte Effekt aus.
Da kam mit großem Getöse der Bauer Müller auf seinem Trecker den Weg hoch. Erst fuhr er gemächlich an uns vorbei, doch dann trat er abrupt auf die Bremse. Mein Frosch ging zu ihm, rupfte einen Grashalm aus und steckte ihn sich in die Nase. Bauer Müller trat aufs Gaspedal und rumpelte so schnell wie möglich davon.
Die Frösche sahen sich an, schüttelten die Köpfe und zuckten mit den Schultern. Was diese Gesten bei ihnen bedeuteten, wagte ich nicht zu erraten. Wie auch immer - sie stellten sich in eine Linie hintereinander und tanzten um ihr Raumschiff, die Oberkörper auf und nieder wiegend und etwas singend, das wie „Heja, Heja“ klang. Dann bestiegen sie ihr Raumschiff. Ich hörte wieder das ‚Plopp‘ - und schon war das UFO verschwunden. Ich fiel in Ohnmacht.

Als ich wieder erwachte, war es bereits Abend. Ich sprang auf mein Fahrrad und raste zum Dorf hinunter. Ich stürzte in die einzige Kneipe und schrie: „Sie sind da, sie sind da!“
„Herzlich lacht die Tante“, tönte es hinter mir. Irritiert schaute ich mich um. Natürlich, heute war Freitag und die Skatspieler saßen wie jede Woche an ihrem Stammplatz.
„Sie sind da!“ rief ich noch einmal.
„Willst du ein Bier?“, fragte mich der Wirt.
„Ja.“ Ich schlug mit der Faust auf die Theke. „Sie sind da!“ brüllte ich.
Endlich sah einer der Skatspieler auf. „Wer ist da?“
„Die Außerirdischen!“
Der Wirt zog den Bierkrug zurück. „Ich glaube, du hast schon genug getrunken.“
„Wer Kreuz hat, hat auch Pik.“ Die Skatbrüder spielten ungerührt weiter.
Ich riss dem Wirt den Bierkrug aus der Hand und nahm einen tiefen Schluck. „Die Außerirdischen, ich habe sie gesehen. Sie sehen aus wie Frösche“, beteuerte ich.
Die Skatspieler lachten. „Ja, ja, wie Knallfrösche“, wieherte einer. Die anderen Gäste fielen in das Gelächter ein.
Zum Glück betrat gerade Bauer Müller die Kneipe. Ich wies auf ihn. „Da, fragt ihn. Der hat sie auch gesehen.“
„Wen habe ich gesehen?“ brummte Bauer Müller und bestellte sich mit einer Geste ein Bier.
„Die Außerirdischen, die Frösche“, stöhnte ich.
Bauer Müller kratzte sich am Kopf. „Frösche? Ich habe Kinder gesehen. Die haben dieses neumodische Spiel aus Amerika gespielt. ‚Holen-wir‘ oder wie das heißt. Waren als Frösche verkleidet.“
„Meinst du ‚Halloween‘?“ fragte ich. „Das ist kein Spiel, das ist ein Fest. Und dafür ist es auch viel zu früh. Nein das waren keine verkleideten Kinder, die waren echt. Und das Raumschiff - hast du denn das Raumschiff nicht gesehen?“
„Nö“, Bauer Müller schlürfte ruhig sein Bier.
„Ramsch!“ „Ramsch!“ „Ramsch!“ übertönten mich die Kartenspieler.
Ich schluckte den Rest meines Biers herunter. „So ein Tag - und ihr habt nichts Besseres zu tun als Skat zu spielen?“
„So ein Tag, so wunderschön wie heute ...“, intonierten die Spieler und lachten wieder lauthals.
„Wo sollen sie denn sein - deine Außerirdischen?“ fragte der Wirt. „Ich hoffe sie trinken Bier.“
„Sie sind wieder weg“, antwortete ich. „Es machte einfach ‚Plopp‘ und weg waren sie.“
„Na denn Prost!“ Die Skatspieler erhoben ihre Bierkrüge, neigten sie erst nach rechts, dann nach links, dann in die Mitte und stießen jeweils an.
Ich dachte an die Frösche mit ihren seltsamen Gebräuchen am Raumschiff. Dann sah ich zu den Skatspielern. Irgendwie fühlte ich mich fremd.