STARLIGHT UNION

Hallo, liebe Schreiberlinge!

Die folgende gemeinschaftlich verfasste Geschichte wurde während eines unserer letzten Jahrestreffen begonnen und noch nicht abgeschlossen. Im Jahre 2009 lag es an den Teilnehmern der STARLIGHT CON sie zu einem guten (?) Ende zu bringen. Im Anschluss findet ihr nach dem Originaltext die eingeschickten Lösungen. Und zum Schluß gibt es die Abstimmungsergebnisse von Euch!

PIRATENGESCHICHTEN

„Stell das sofort ab!“ brüllte der einäugige Pirat und fuchtelte mit seinem riesigen Entermesser dicht vor meiner Nase herum. Zunächst war es nur ein leises Kratzen, irgendwo am Rande der Wahrnehmung gewesen. Der Ton schlich sich unauffällig in meinen Traum ein – nur eine winzige Nuance im Verwirrspiel der fantastischen Ereignisse - nahm dann aber an Intensität zu. Und obwohl um keinen Deut lauter geworden, störte er in zunehmendem Maße den Ablauf der von mir induzierten Handlung. Der griesgrämige Pirat verzog schmerzhaft die Miene. Ganz so, als bereite ihm einer der verfaulenden Zahnstummel in seinem übel riechenden Rachen höllische Schmerzen. „Mach das aus – sonst ….“ Die rostige Klinge ritzte meine Nasenspitze. "Wie lange ist eigentlich meine letzte Tetanus-Impfung her" fragte ich mich beiläufig, während meine Beine einen halben Meter über dem Boden in der Luft strampelten. (Werner)

Meine Nasenspitze schmerzte. Die Hände des Piraten, die sich fest um meine Oberarme geschlossen hatten, hielten mich in eisernem Griff fest. Würzige Seeluft blies mir ins Gesicht. Der Boden schwanke. War ich auf einem Schiff? „Seltsam“, dachte ich, „So einen realistischen Traum habe ich noch nie gehabt.“ Ein durchdringender Ton stach mir in das Gehör. Ich wollte mir die Ohren zuhalten, doch meine Arme und Hände gehörten momentan einem großen, schmutzigen, kräftigen Piraten. Er schien mich für diese akustische Folter verantwortlich zu machen. Ich wollte mich wehren, mich rechtfertigen, ihm sagen, dass ich nichts für diesen schrecklichen Ton könne – doch entsprach das der Wahrheit? Ich konnte mich nicht daran erinnern, wie ich hierher gekommen war. (Doris)

„Laß ihn sofort los“ tönte laut und bestimmt eine weibliche mir wohlbekannte Stimme. Die Frau in Lederkleidung mit den braunen langen Haaren schien ich zu kennen, aber ich erinnerte mich nicht an ihren Namen. „Na wird’s bald, oder soll ich dir erst die Kehle durchschneiden?“ Der Pirat schaute erstaunt und belustigt zugleich die entschlossen wirkende Frau an, wurde aber sofort wieder ernst. Bevor er weiter meine Nasenspitze misshandeln konnte, nutzte ich die Gelegenheit und wand mich aus seinem Griff. „So jetzt komm schnell, wir haben nur noch wenig Zeit!“, meinte die Frau zu mir. Der Ton wurde unangenehmer und durchdringender. (Bruni)

 ‚Zeit für was?’ fragte ich mich ohne die geringste Ahnung, um was es hier gehen könnte. Ein Holzknüppel traf den Piraten am Hinterkopf und schickte ihn zu Boden. Die Hand, die den Knüppel hielt, gehörte zu einem grinsenden dunkelhäutigen Typ mit spitzen Ohren, der mich an irgendetwas erinnerte, das ich aber im Moment nicht richtig zu greifen bekam. Er trug einen albern aussehenden Lederhut und hielt eine Art Kompass in der Hand, den er in verschiedene Richtungen schwenkte. „Rena hat Recht, Schnuffi! Wir müssen uns auf den Weg machen. Das Portal schließt in ein paar Minuten.“ Wer war Rena? Wer war dieser Typ? Wen meinte er mit Schnuffi? Doch wohl nicht mich, oder? Und wann hörte dieses fiese Geräusch endlich auf? Meine zwei Retter (wirklich?) schoben mich durch eine hilflos wirkende Menge weiterer Piraten, die überwiegend auf dem Boden knieten und sich mit verzerrtem Gesicht die Ohren zuhielten. (Ulf)

Jetzt standen wir an der Reeling. Die Beiden fassten mich plötzlich rechts und links an der Hand und mit einem kühnen Sprung flogen wir ein Stück durch die Luft und landeten auf einer alten Kogge, die neben dem Piratenschiff vor Anker lag. Es schien, als seien wir der Bande von Piraten entkommen. Doch wusste ich noch immer nichts über meine beiden Begleiter. Diese Tatsache behagte mir überhaupt nicht. (Susi)

... und hier geht es jetzt mit den eingeschickten 'Schluss'-Texten weiter ...

STEPHAN WRZOLEK: Doch ließen mir die beiden nicht die Zeit zu fragen. Mich immer noch bei den Händen haltend rannten die beiden zum Achterdeck, zogen mich die Treppe hinauf und schon ging es erneut über eine Reeling. Diesmal landeten wir auf einem Langschiff voll mit Wikingern, die uns irritiert ansahen. Der Spitzohrige sagte etwas zu ihm, was ich nicht verstand (war das Dänisch?) – liess mich los und warf dem am nächsten stehenden Nordmann einen kleinen Beutel zu. Der fing ihn geschickt auf, wog ihn in der Hand, lächelte und nickte den anderen zu. Es mochten so dreißig Mann sein. Was auch immer sie ursprünglich vorgehabt hatten, nun hatten sich wohl ihre Pläne geändert. Das Segel war entlang der Längsachse des Schiffes fest an einem Segelbaum vertäut. Aber es fand auch keine weitere Beachtung. Stattdessen wurden 20 Ruderpinnen von den inneren Bordwänden genommen und durch Öffnungen in den Bordwänden gesteckt. Ebenso viele Männer, zehn auf jeder Seite, nahmen auf kleinen Bänken platz – je eine Ruderpinne am Griffstück in den Händen. Die Ruderblätter lagen flach auf dem Wasser. Ein besonders wild aussehender Wikinger stand am Heck auf der rechten Seite an der Ruderpinne, selbige fest unter den Arm geklemmt und begann Kommandos zu brüllen. Ich verstand zwar kein Wort, aber die Wirkung war beeindruckend. Alle 20 Ruderer nahmen die Ruder aus dem Wasser, beugten sich weit nach vorne, ließen die Ruder wieder zu Wasser und zogen die Ruder dann mit einer langen, kräftigen Bewegung des gesamten Oberkörpers nach hinten und mit den Armen vor die Brust. Ein kurzer, bellender Befehl, Ruder aus dem Wasser und es begann von vorne. Das Boot nahm sehr schnell Fahrt auf. Ich war beeindruckt, drehte mich um und schaute zurück. Zu meiner Überraschung war von einer Kogge oder dem Piratenschiff nichts zu sehen. Stattdessen war da ein Eisberg in der Form des Taj Mahal, gekrönt vom schiefen Turm von Eifel. Wir entfernten uns schnell. So schnell, dass ich fast schon vermutete, dass das durchdringende sonore Brummen – welches die ganze Zeit zu hören war – von einem Motor stammen müsse. Aber einen Außenborder konnte ich nicht sehen und das Drachenboot hatte kein Deck! Der Spitzohrige und die Frau standen am Bug und schauten in die Ferne. Zwei Drittel der Bootslänge lagen zwischen mir und ein paar Antworten. Ich machte mich auf, zwischen den sich vor und zurück beugenden Leibern der Ruderer hindurch zu gehen, als ich höchst unsanft von hinten an den Oberarmen gepackt wurde und eine weibliche Stimme etwas sagte, was ich erst nicht verstand. Dafür begann meine Umgebung zu zerfließen und sich zu verändern. Mit einem Mal sah ich direkt vor mir ein mir fremdes Gesicht, welches mich erstaunt anblickte. Direkt daneben war das Gesicht von Rena, die etwas sagte. Jetzt endlich verstand ich sie: „Sag mal, schläfst Du, Schnuffi? Du bist wirklich der einzige, den ich kenne, der beim Rasieren mit offenen Augen vor sich hinträumen kann!“

DORIS GUTSMIEDL: Doch war das wirklich wichtig? Musste ich etwas über diese Rena und den dunklen Typen wissen? Ich bemerkte, wie sie mich ansahen. Unterwürfig, wie junge Hunde. Ich blickte an mir herab, und sah die goldenen Streifen und Troddeln an meiner Jacke. War ich etwa ihr Anführer, gar ihr Kapitän? Ohne weiter auf die beiden zu achten, schritt ich hoch erhobenen Hauptes auf die Kapitänskajüte der Kogge zu. Niemand versuchte mich aufzuhalten, keiner stellte sich mir in den Weg – ich schien richtig getippt zu haben. Mit zitternden Händen öffnete ich die Tür zur Kapitänskajüte - zu meiner Kajüte. Es war dämmrig hier, fast schon düster. Doch auf einem Tisch in der Mitte des Raumes schimmerte eine elfenbeinfarbene Karte. Eine Schatzkarte? Oder ein Verzeichnis geheimer Seewege? Nun, ich würde es herausfinden …

ANTJE WELLNER: Komisch die Kogge schwankte überhaupt nicht. Dafür meldete sich ein anderes bekanntes Gefühl. Meine Ohren beschwerten sich über das Geräusch, welches jetzt wieder deutlich hörbar war. „Lass uns endlich los gehen“, sagte das dunkelhäutige Spitzohr. Anstatt zu antworten klemmte mich die junge Frau unter den Arm (der Himmel weiß, wie sie das gemacht hat), griff nach der Hand des Sprechers und rannte quer übers Schiff. Gerade als ich dachte sie würde darüber hinaus rennen, sah ich ein goldenes Tor auftauchen. Meine Befürchtung, im vollen Lauf dagegen zu prallen, erwies sich als unbegründet. Gerade rechtzeitig sprangen die beiden Torflügel auf und gaben den Blick auf eine weiße, zerklüftete Landschaft frei. Wir stürzten auf sie hinab. Ich schloss die Augen und wartete auf den Aufprall. Mir wurde schwindlig weil ich dachte, wir würden auf den weißen Gebirgen zerschellen, aber nichts geschah. Das heißt, etwas schon. „Aus damit!“, sagte die Stimme der jungen Frau, welche mich vor dem ‚Absturz’ in den Armen gehalten hatte, und das Geräusch erstarb. „Runter hier, Kasimir!“, hörte ich sie sagen und hörte ein Plumpsen. Ich öffnete vorsichtig ein Auge. Mein Blick schweifte über eine weiße, zusammen geschobene Bettdecke bis zum Rand des Bettes an dessen Ende ich saß. Davor, auf dem Laminatboden, saß ein genervt aussehender brauner Kater mit mir äußerst bekannten, spitzen Ohren. Meine Nase schmerzte immer noch. „Och, Schnuffi!“ Die junge Frau sah aus wie die Dame in Leder. „Was hat denn Kasimir mit Dir gemacht. Hast Du dich wieder zu sehr bewegt im Traum. Manchmal würde ich wirklich gerne wissen, was Du so träumst.“ Armer Hund.

KURT HOHBERG: Irgendjemand schlug mir kräftig zwischen die Schulterblätter. Ich stolperte über einen unordentlich an Deck liegenden Tampen und fiel voll auf die Schnauze. Ich spürte warmes Blut in meinem Mund und urplötzlich war auch wieder dieser ekelhafte Gestank da. Der Geruch von uraltem Fisch, brackigem Wasser und gammelndem Tang. Nun aber waren alle Bilder fort. Ich stützte mich auf, setzte mich und fuhr mir mit der Hand über den Mund. Ich fühlte klebriges Blut. Ansonsten sah ich nur fahle Dunkelheit bis auf ein rotes Glimmen rechts, schräg über mir. Langsam dämmerte es mir. Ich befand mich auf einem alten, verkommenen Fischkutter, der mich vor Griechenlands Küste aus dem Wasser gefischt hatte. Einen Tag nach dem mein kleiner Segelkutter nach einem heftigen Unwetter aufgelaufen und wie ein Stein versunken war. Nach einigem Suchen fand ich den Lichtschalter und fand mich in einer verdreckten Kajüte wieder. Wild um mich schlagend war ich wohl aus der Koje gefallen, wobei meine Oberlippe mit dem schmutzigen Eisenboden Bekanntschaft gemacht hatte. Einigermaßen erschüttert sah ich auf meine blutverschmierten Hände und mir war klar, dass ich nur ein armer Schiffbrüchiger war!

DAGMAR SCHULZ:  Mit einem dumpfen Schlag schlugen wir rücklings auf den Planken auf und mir wurde schwummerig vor den Augen. Verschwommen sah ich etwas großes, rot-blinkendes von oben auf uns zurasen. „Das Dimensionstor!“ schrie mein spitzohriger Begleiter begeistert. „Dort müssen wir hinein, um jeden Preis!“ „Das dürfte nicht weiter schwer sein!“, konterte die Frau mit dem langen Haar trocken. „Es kommt genau auf uns zugestüüüü …ööö … ört … ört … trööt … trööt …trööt!“ Immer lauter wurde der scheußliche Ton, immer größer das rote Licht. Jetzt wurde das Bild klarer, jetzt konnte ich erkennen, woraus das rote Licht bestand: Es waren Striche, die seltsame Symbole bildeten, es waren – ja – es waren – Zahlen! Jetzt konnte ich auch sehen, was die Ziffern ergaben: „6:15“ stand in roten Ziffern auf einem schwarzen Kästchen, aus dem ein grauenhaftes Tröten erklang. „Schnuffi!“, erklang eine müde, entnervte Stimme. „Hast du schon wieder den Radiowecker ’runtergerissen?“ Oje – das war Frauchens Stimme und sie klang ziemlich sauer! Zwei nackte Füße erschienen in meinem Gesichtsfeld und schlüpften in Hauspantoffeln. Zwei Hände folgten und wickelten mich aus dem Gewirr von Hunde-Schlafdecke und Weckradio-Kabel. „Du bist der schusseligste Hund der Welt!“ murmelte sie grinsend. „Ich möchte doch zu gerne wissen, wovon euereins so träumt!“ Sie nahm mich auf den Arm, trug mich zur Terassentür, öffnete diese und ließ mich hinaus. „Los, lauf und mach’ deine Kontrollrunde im Garten, während ich mich fertig mache!“, sagte sie. „Heute wird für uns beide ein langer Tag in der Boutique. Besser du pflegst deine sozialen Kontakte heute morgen, nachher ist keine Zeit mehr!“ Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich sauste durch den Garten, durch die Zaunlücke über den Spielplatz und in den Park – wo schon meine beiden Freunde herumtollten: Der schwarze Riesenschnauzer Tuvok mit dem Lederkragen wegen der frisch verheilten Bauch-OP und die Irish-Setter-Hündin Rena mit ihrem Blindenhund-Geschirr (an dem nur noch der Bügel fehlte). „Mensch, Leute“, begrüßte ich sie atemlos „ihr glaubt ja nicht, was ich gerade geträumt habe …“

Hier das Ergebnis Eurer Abstimmung:

"Welcher Autor hat Deiner Meinung nach die Kollektivstory am besten beendet?"

Stephan Wrzolek 4 (36%)
Doris Gutsmiedl 3 (27%)
Antje Wellner 1 (9%)
Kurt Hohberg 2 (18%)
Dagmar Schulz 1 (9%)

Wir gratulieren Delph zum 1.Platz und wünschen viel Spaß mit der gewonnenen Action-DVD!