STARLIGHT UNION
 


W E T T B E W E R B E

hatten in der STARLIGHT UNION eine lange Tradition. Die letzte Aktion dieser Art fand 2011 statt. Da unsere Vereinsaktivitäten momentan stark eingeschränkt sind, empfehlen wir an dieser Stelle andere entsprechende Veranstaltungen. (Solltet ihr darüber hinaus eine Buchveröffentlichung eurer Werke planen, wendet euch gerne auch vertrauensvoll an den 'Semper Verlag'.)

Neuer WELTENTOR-Kurzgeschichten-Wettbewerb 2016
des NOEL-Verlages www.noel-verlag.de
Genres: Fantasy – Mystery – SciFi Ausschreibungs-Zeitraum: 01.01.2016 – 30.05.2016
Der riesige Erfolg unserer WELTENTOR-Kurzgeschichten-Wettbewerbe der vergangenen Jahre veranlasst uns wieder erneut zum Einreichen Eurer Geschichten aufzurufen.
Es werden wieder in allen drei Genres Geschichten gesucht und es werden in diesem Jahr 3 Bücher herausgebracht werden. (Jeweils Softcover-Version) 1 x Fantasy 1 x Mystery 1 x SciFi
PREISE:
1 x eine kostenfreie Buchverlegung für die beste Geschichte des Genres Fantasy oder 300 €
1 x eine kostenfreie Buchverlegung für die beste Geschichte des Genres Mystery oder 300 €
1 x eine kostenfreie Buchverlegung für die beste Geschichte des Genres SciFi oder 300 €
Jeder Autor, dessen Geschichte in den Siegerbüchern erscheint (3 x 30 = 90 Geschichten) erhält ein Autorenexemplar portofrei zugesandt. Unsere 3 Siegerbücher werden wie – jedes Jahr – auf der Leipziger Buchmesse 2017 im März 2017 präsentiert. Weitere Infos zu diesem Wettbewerb findet man auf unseren HPs
www.noel-verlag.de unter NEWS,
www.noel-verlag-weltentor.de.
Manuskripte bitte als angehängte Word-Datei mailen an: info@noel-verlag.de

Weltentor 2014
Kurzgeschichten-Schreib-Wettbewerb

SIEGPRÄMIE 3 x 150,00 €
Jeder der 30 Autoren, deren Geschichte es ins Buch schafft, erhält ein portofreies Beleg-Exemplar

Wieder werden Geschichten der Genres

+ FANTASY
+ MYSTERY und
+ SCIENCE-FICTION angenommen.

Bitte reichen Sie uns Ihr Manuskript als angehängte Word-Datei an info@noel-verlag.de ein.

Zeichenanzahl: maximal 30.000 inklusive Leerzeichen
Bitte versehen Sie Ihr Manuskript mit Namen, Anschrift, Telefonnummer und Email-Adresse.

Bis zum 31.05.2014 können die Geschichten eingereicht werden.

Es wird 3 Siegerbücher mit jeweils 10 Geschichten geben.
1 x Fantasy, 1 x Mystery, 1 x Science-Fiction.
Die Sieger werden auf der Leipziger Buchmesse 2015 beim NOEL-Abend geehrt.

Jeder Autor, dessen Geschichte in den 3 Büchern veröffentlicht wird, erhält ein kostenfreies Belegexemplar portofrei zugesandt.
Die 3 besten Geschichten (1 x Fantasy, 1 x Mystery, 1 x Sci-Fi) erhalten jeweils 150,00 € Siegprämie.

Ihr Manuskript sollte maximal 30.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) haben. Bitte jedes Manu mit Ihrem Namen, Anschrift und Email-Adresse versehen.

Bitte leiten Sie Ihr Manuskript per angehängter Word-Datei an info@noel-verlag.de



Mail an alle Teilnehmer der Wettbewerbe 2011 am 28.12.11:

"Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Phantastik-Wettbewerbs 2011!
Leider muss ich Euch heute mitteilen, dass der diesjährige Wettbewerb 'mangels Masse' ohne Ergebnis beendet werden musste.
Zu dem Bereich SF schrieb mir der Sponsor Volker M. Gdanitz unter anderem: "DIE VIER ZUGESANDTEN GRAPHIKEN ERFÜLLEN LEIDER ALLE NICHT DIE KRITERIEN FÜR DEN "FUTUR 2 DESIGN - AWARD" ( WEDER THEMATISCH NOCH QUALITATIV ) ....DIE EINGESANDTEN STORIES LAS ICH ALLE > "PER-FEKTE SICHERHEIT" , "RISIKEN UND . . . " , "HERBSTZEITLOSEN" FAND ICH PASSABEL - NICHT ABER PREISWÜRDIG ..."
Mir, als Sponsor des Fantasy-Wettbewerbs, bot sich leider ein ähnliches Bild. Nur dass sich hier die Menge der eingeschickten Beiträge sogar an nur einer Hand abzählen lässt, von den 'Preiswürdigen' einmal ganz zu schweigen.

Hinzu kommt mittlerweile auch die ungelöste Finanzierungsfrage einer gedruckten Ausgabe. In den beiden letzten Jahren war die Finanzierung der kostenlosen STARLIGHT-Ausgaben für Wettbewerbteilnehmer dank Überschüssen aus der Clubkasse gesichert. Mittlerweile sind aber viele Starlight-Mitglieder inaktiv geworden, was sich nicht nur auf die eingeschickten
(druckbaren) Beiträge bezieht, sondern auch auf die überwiesenen Gelder. Die insgeheim gehegte Hoffnung, dass sich einige Wettbewerbteilnehmer für eine aktive Mitgliedschaft entscheiden würden, hat sich leider nicht erfüllt.

Somit würde eine (!) gedruckte Ausgabe für die wenigen 'noch Zahlenden' aufgrund der geringen Auflage mittlerweile eine finanzielle Belastung von an die 15.- EUR betragen. Die mangelnden Reaktionen auf die letzten Ausgaben lassen zudem den damit verbundenen Aufwand mehr als fragwürdig erscheinen.

Aus diesem Grunde habe ich mich, schweren Herzens und nach reiflicher Überlegung, entschlossen die Produktion unseres Fanzines bis auf weiteres einzustellen. Mir ist wohl bewusst, dass dies für Euch als hoffnungsvolle Teilnehmer des Wettbewerbs eine herbe Enttäuschung bedeutet, sehe aber momnetan keine andere Lösung.

Einzig und allein die Veröffentlichung auf unserer Homepage kann ich Euch allen anbieten. Bitte mailt mir hierzu, falls gewünscht, Euere Zustimmung.

In der Hoffnung Euch durch diese Nachricht den Jahreswechsel nicht allzu sehr 'versalzen' zu haben, verbleibe ich

mit freundlichen Sternenlichtgrüßen und wünsche einen Guten Rutsch

WERER BRÜCKER "

2011

ANKÜNDIGUNG IM FRÜHJAHR 2011:

Auch im Jahr 2011 gibt es einen großen Phantastik-Wettbewerb welcher in vier Kategorien ausgetragen wird:

SCIENCE FICTION KURZGESCHICHTEN (Frederic Brown Award 2011)

SCIENCE FICTION GRAPHIKEN (Futur 3 Design Award 2011)

FANTASY KURZGESCHICHTEN

FANTASY GRAPHIKEN

Einsendeschluss ist der 31.10.2011

Jeder Wettbewerb ist mit folgenden Preisgeldern dotiert:

1. Platz: 50.- EUR / 2. Platz: 30.- EUR / 3. Platz: 20.- EUR

Zudem erhält jeder Teilnehmer  ein kostenloses Belegexemplar unseres Clubmagazines 'STARLIGHT', welches dieses Jahr wieder zum Jahreswechsel 2011/12 erscheint.

Jury und Sponsoren: FANTASY (Volker M. Gdanitz), SF (Werner Brücker)

TEILNAHMEBEDINGUNGEN:

Kurzgeschichten:

Nur Erstveröffentlichungen; Maximal 3 A4 Seiten 1 bzw. 1 1/2-zeilig; Word-Format; per eMail mit dem Vermerk 'Fantasy' bzw. 'SF' und der vollständigen Anschrift an u.a. Email-Anschrift

Graphiken:

Nur Erstveröffentlichungen; jpg-Format; per eMail mit dem Vermerk 'Fantasy' bzw. 'SF' und der vollständigen Anschrift an u.a. Email-Anschrift

Jeder Teilnehmer kann mehrere Beiträge zu allen Kategorien einreichen. Die Redaktion behält sich aber das Recht der Auswahl der zu veröffentlichenden Werke vor. 

So - und nun ran an die Tastaturen und Zeichenbretter. Sendet Eure Phantasien an:

KONTAKT@STARLIGHTUNION.DE

Wir freuen uns schon auf Eure Werke!

2010

Am 30.09. wurden die diesjährigen Wettbewerbe beendet. Unten stehend findet ihr die Gewinnerstories sowie die drei erstplazierten Graphiken.

Schelm und Kandidat   von Holger Mossakowski

Die nachfolgend geschilderten Ereignisse werden sich zutragen am 3. Januar 2029, dem 100. Geburtstag von Gordon Earle Moore. Dieser amerikanische Un-ternehmer sagte in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts voraus, dass sich die Leistungsfähigkeit elektronischer Rechenmaschinen etwa alle achtzehn Monate verdoppeln würde. Die Geschichte hat seine Prognose bestätigt. Einen Weg, den wuchernden Computermoloch sinnvoll mit Daten füttern zu können, zeigte Moore allerdings nicht auf.

3. Januar 2029

Der Kandidat schüttelt seinen glattrasierten Schädel. „Ich habe keine Ahnung und nehme den ZEITREISE-Joker.“ „Sind Sie sicher? Gut, dann logge ich das ein. Sie haben ab jetzt genau zwei Minuten.“ Unter dem Raunen des Studiopublikums dimmt der Quizmaster das Licht herunter. Der Kandidat stülpt das Headset über, drückt die Sensoren auf seine präparierte Kopfhaut und sondiert die Dateien, die sich im Monitor vor ihm aufblättern. Während er konzentriert die Tastatur bedient, beglückt ein akustischer Werbespot die Zuschauer an den heimischen Empfangsgeräten.

„Möchten auch Sie die guten alten Zeiten besuchen? Mit Albert Einstein die Relativitätstheorie diskutieren? Udo Jürgens bei der Komposition von „Merci Cherie“ über die Schulter schauen? Mit Lukas Podolski Fußball spielen? Kein Problem – mit unserem ZEITREISE-Komplettangebot. Besitzen Sie eine Haarlocke ihres historischen Idols? Ein Autogramm? Ein Foto? Filmaufnahmen? Ein Kunstwerk? Sie scannen – wir kreieren. Unser GRAFOLOGISCH-BIOMETRISCHES ANALYSEPAKET erweckt den perfekten digitalen Klon zum Leben. Die zeitgenössische Umgebung? Mit unseren VIRTUELLE-WELT-SCHABLONEN kein Problem. Schon nach dreißig Sekunden können Sie online ihr Idol in seiner natürlichen Umgebung begrüßen. Und der Clou: Anders als bei den konventionellen Zeitreisen der Konkurrenz, die menschliche Körper beim Sturz durch die Epochen großen Belastungen aussetzen, genießen Sie den Ausflug in die Vergangenheit mit unserem ZEITREISE-Komplettange-bot in ihrem bequemen Fernsehsessel. Warum also zögern? Profitieren auch Sie vom technischen Fortschritt. Erwerben auch Sie das ZEITREISE-Komplettangebot. Am Besten noch heute.“

Der Spot verstummt. Aufgleißende Helligkeit verkündet, dass die Frist ihr Ende erreicht. Der Kandidat streift sein Headset ab. Der Quizmaster stützt die Hände auf die schwarze Umrandung des Pultes. „Ist es Ihnen gelungen, virtuell in die Vergangenheit zu reisen?“ Der Kandidat nickt. „Ich habe den großen Künstler selbst befragen können.“ Der Quizmaster beugt sich vor und legt eine kurze Pause ein, bevor die entscheidenden Worte sei-nen Mund verlassen: “Dann können Sie die Zehn-Millionen-Euro-Frage sicherlich beantworten: Wann hatte der berühmte spanische Maler seine „Blaue Periode“?“ Ein selbstsicheres Lächeln umspielt die Mundwinkel des Kandidaten, als er genüsslich seine Entgegnung zelebriert: „Wie mir der große Meister selbst berichtet hat: Meistens in der Nacht von Freitag auf Samstag.“ Auch seine antrainierte Professionalität bewahrt den Quizmaster nicht davor, in das schallende Gelächter einzustimmen, das das Studio durchtost. Er war schon ein Schelm, dieser Picasso.

Das Ding im Sand von Björn Werner

„Major Sir, folgen Sie mir bitte. Es ist dort drüben.“
„Wann, sagten Sie, hat sich der Vorfall ereignet?“
„Der Fernfahrer hat das grelle Licht heute Nacht gegen null-zweihundert beobachtet. Also vor exakt 7 Stunden, Sir.“
„Zeigen Sie mir das Fundstück, Korporal.“
„Jawohl Sir, folgen Sie mir. Wir haben es sicherheitshalber am Fundort gelassen und nicht angerührt.“
„Spuren?“
„Leider nein, Sir. Wenn welche da waren, hat der Wind sie schon verweht.“
Sie gehen zu einem hastig aufgestellten weißen Zelt. Ihre Schritte wirbeln den Wüstenstaub auf. Militärs und Wissenschaftler in Schutzanzügen kreuzen hektisch ihren Weg. Der Major ist aufgeregt wie ein kleines Kind. Die hundert Yards zum Fundort scheinen ihm wie hundert Meilen. Er würde am liebsten einfach hinrennen, unterdrückt diesen Drang jedoch mit militärischer Professionalität. Sie betreten das Zelt, in dem schon ein halbes Dutzend Menschen in einer Runde stehen und beratend zu Boden schauen. Sie machen dem Major sofort Platz. Dieser begibt sich ohne Begrüßung in die Hocke, um das Objekt von Nahem zu betrachten. Auf den ersten Blick ist klar, es stammt nicht von der Erde. Es glänzt wie sonnen beschienenes Chrom, sogar im Schatten. Und obwohl es offensichtlich ein fester Gegenstand ist, reflektiert es wie flüssiges Quecksilber. Es hat in etwa die Größe eines Telefonhörers. Der Hauptteil ist kokonförmig und von einem dünnen Rahmen aus demselben Material umfasst. Dieser endet in einer Art Stiel, der etwas länger als der Hauptteil selber ist. Es erinnert in seinen Proportionen und der gesamten Form an ein antiquiertes Mikrofon. Ein entsetztes Zucken durchfährt die Runde, als der Major unvermittelt danach greift. Doch wie schon die anderen zuvor, zieht auch er seine Hand sogleich wieder zurück. Das Objekt hatte begonnen, bedrohlich rot aufzuleuchten, sobald sich die Hand bis auf weniger als eine Zeigefingerlänge angenähert hatte. Darum hatte keiner der Wissenschaftler bisher gewagt, es anzufassen. Noch einmal nähert sich der Major vorsichtig mit der Hand, und wieder taucht sich das Objekt in extremes Rot. Der Major kneift verdutzt die Augen zusammen, dann mit einem Griff schnappt er sich das Ding einfach. Alle anderen drehen sich entsetzt weg und halten schützend ihre Arme vor Kopf und Gesicht in Erwartung einer Explosion oder Ähnlichem. Doch unerwarteter weise geschieht etwas völlig anderes. Das Ding leuchtet nun in sanftem Grün in der Hand des Majors. Und beruhigt, fast weihnachtlich, blicken alle darauf.
„Ich sehe das als Zeichen. Ich denke, ich darf oder soll es sogar benutzen. Aber was ist es?“
„Vielleicht ein Kommunikator, den sie dagelassen haben, damit wir mit ihnen Kontakt aufnehmen können?“, spekuliert der Korporal ungefragt.
Einer der Wissenschaftler meldet sich zu Wort: „Es wird sicher Jahre dauern, bis unsere Laboratorien seine Funktion entschlüsselt haben.“
„So lange will ich nicht warten, ich probiere es einfach aus! Das Grün bedeutet sicherlich, dass ich auf Sendung bin. Und hineinsprechen wird man wohl hier oben. Ein historischer Moment!“ Diese Chance will sich der Major nicht nehmen lassen. Feierlich blickt er in die Gesichter der Anwesenden. Dann schweift sein Blick an ihnen vorbei, als könnte er durch die Zeltwand in die Ferne blicken. Er holt tief Luft und legt los: „Liebe fremde Wesen. Ich spreche hier als Vertreter der Menschheit und als Vertreter des Planeten, den wir Erde nennen. Zuallererst möchte ich sagen, wie sehr …„

7 Stunden zuvor:

„Wir machen aber nur zehn Minuten Pause. Wir wollen ja schließlich frühzeitig im Freizeitpark ankommen, bevor überall lange Warteschlangen sind. Schatz, lauf doch mit den Kindern ein bisschen umher. Sie müssen nachher wieder lange genug sitzen. Aber geht nicht zu weit weg. Es ist stockfinster und es soll hier wilde Affen geben, die mit Stöcken und Steinen werfen können.“ Der Vater kramt nach einer Lampe und drückt sie seiner Frau in die Hand.
„Wilde Affen? Das glaubst du doch selber nicht. Hier ist doch nur Wüste.“ Sie nimmt die Jüngste aus dem Kindersitz und geht ein kleines Stück. Die beiden Jungs spielen Fangen im Lichtkreis der Standscheinwerfer.
„Hier gibt es aber wirklich gar nichts, keine Waschräume, nicht einmal markierte Parkflächen. Bist du sicher, dass das hier ein Parkplatz ist?“
„Nein, das hab ich dir doch schon gesagt. Laut der Navi-Information ist der frühere Parkplatz seit längerem gesperrt. Er wird hier als „Area 51“ bezeichnet, darum bin ich an einer anderen Stelle gelandet. Ich gebe zu, es ist öde, aber lass uns trotzdem ein Erinnerungsfoto machen. In so eine abgelegene Gegend kommt man nicht oft.“
Die ganze Familie stellt sich auf, und per Funkfernbedienung löst der Vater die Kamera samt Blitzlicht aus. Alle kneifen die Augen zusammen.
„Jetzt haben wir alle die Augen zugedrückt. Der Blitz war viel zu hell eingestellt.“
Nicht nur die Familie wird geblendet. Der Blitz ist so stark, dass auch ein Fernfahrer auf einem nicht allzu weit entfernten Highway unerwartet geblendet wird.
„Machen wir noch eins!“
„Nein, wir müssen jetzt weiter, der Park ist noch einige Sonnensysteme entfernt. Kommt jetzt, steigt ein!“
„Hast du die Leuchtrassel der Kleinen gesehen?“
„Nein, hab ich nicht! Die wird sicher noch im Raumgleiter liegen.“
„Ich war mir sicher, dass sie sie vorher noch bei sich hatte.“
„Steigt jetzt ein! Und ihr beiden klopft euch vorher noch den Staub von den Fühlern.“ 

Schwangerschaftsplanung  von Aileen O’Grian

Der Standesamtsarzt sah von Ullis Laborzettel auf. Er sah sehr ernst aus. „Es tut mir leid, aber mit dem von Ihnen ausgewählten Partner dürfen Sie keine Kinder haben.“
Ulli sank auf dem Stuhl zusammen. Sie liebte Paul und wollte ihn heiraten und unbedingt Kinder von ihm haben.
„Gibt es keine Möglichkeit? Können die Embryos nicht schon behandelt werden?“
Der Arzt schüttelte den Kopf. „Nein. Aber ich habe in unserer Stadt drei Kandidaten gefunden, die genetisch wunderbar zu Ihnen passen. Einer wohnt ganz in Ihrer Nähe, soll ich Ihnen die Adresse geben?

Ulli schluckte. „Ich kenne ihn doch gar nicht. Außerdem habe ich meinen Partner schon ausgesucht.“
Der Arzt schlug mit der Faust auf den Tisch. „Diese altmodische Sitte, sich einen Partner auszusuchen. Können Sie nicht gleich nach der Schule zu uns kommen und sich beraten lassen? Wir planen für Sie eine auf Sie maßgeschneiderte Karriere und suchen den passenden Partner. Zu dem frühen Zeitpunkt können wir die beiden Berufsbilder noch aufeinander abstimmen.“ Böse funkelte er sie an.
Ulli rutschte noch tiefer in den Stuhl. Natürlich war sie nach der Schule zur Beratung gegangen. Aber sie hatte den heißen Wunsch Pianistin zu werden. Jahrelang hatte sie darauf hingearbeitet, täglich stundenlang geübt. Die Männer, die ihr die Beratung damals vorgeschlagen hatte, waren ein Maurer und ein Schlachter gewesen. Beide zeigten keinerlei musisches Interesse und die Beratung wollte aus ihr eine Schlachtereiverkäuferin machen.
Und jetzt durfte sie ihren geliebten Paul, einen Dirigenten, nicht heiraten. Tränen traten in ihre Augen.
„Einer der Kandidaten ist Architekt. Der andere selbständiger Schlachter.“
Ulli schluckte.
„Der Architekt würde Ihren intellektuellen Ansprüchen genügen. Perfekt passt kein Partner je zu einem. Diese Märchen sollten Sie doch entlarven können.“
„Aber ich muss mich doch geistig austauschen können.“
Der Arzt seufzte. „Ach Kindchen, meine Frau wollte Journalistin werden und im Ausland arbeiten. Mir zuliebe ist sie Krankenschwester geworden. Wir sind mit unseren drei Kindern sehr glücklich.“
Ulli konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. „Ich will mit Paul leben. So oder so.“
„Sie dürfen sich erst sterilisieren lassen, wenn Sie Ihre Fortpflanzungspflicht erfüllt haben.“ Er sprach jetzt sehr sachlich. „Passt Ihnen eine künstliche Befruchtung zum nächsten Eisprung? Oder sollen wir noch ein Vierteljahr warten?“ Er musterte sie ernst. „Sehr viel Zeit haben Sie nicht mehr. Sie sind schon hart an der Grenze. Außerdem sollten Sie die ganze Geschichte schnell hinter sich bringen, damit Sie Ihren Paul bald heiraten können.“
Ulli wischte sich mit den Händen die Tränen ab, dann zog sie ein Taschentuch aus der Tasche und schnaubte sich.
„Geht ...“ Ihre Stimme war so belegt, dass sie unverständlich klang. Sie räusperte sich. „Geht eine Mehrlingsschwangerschaft?“ 

1.Platz"SPACEMAN" von Katrin Junicke

2. Platz "PERFECT FUTURE" von Manuela Forst

3. Platz "URBANLIVE"  von Lothar Bauer

2009

Die Wettbewerbe 2009 wurden am 31.10. abgeschlossen. Aufgrund der regen Beiteiligung hat Volker M. Gdanitz das ausgeschüttete Preisgeld auf insgesamt 500.- EUR erhöht. Hier die Ergebnisse im einzelnen:

Der Alleskönner von Daniela Rohr

“Ich versteh nicht recht. Wie kann diese Maschine alles können?”, fragte Herr Klump und kratzte sich ratlos am Kopf.
“Nun. Ich habe sie eben so gebaut, dass sie alles kann”, entgegnete der Professor.
“Ja, aber was heisst das?”
“Was heisst was?”
“Wie kann diese Maschine alles können?”
“Sie kann es halt.”
“Aber was meinen sie mit alles?”
“Na eben alles.”
“Alles?”
“Ja.”
Herr Klump kratzte sich erneut am Kopf.
“Ich versteh das nicht. Ist es eine Spülmaschine?”
“Ja.”
“Dann kann es also Geschirr spülen.”
“Auch.”
“Was heisst auch? Kann es auch Wäsche waschen?”
“Selbstverständlich.”
“Und wie steht es mit Essen kochen?”
“Ganz ausgezeichnet.”
“Ich versteh das nicht. Kann es auch die Wohnung putzen?”
“Klar. Dabei ist es besonders gründlich.”
“Hm.” Herr Klump umrundete die Maschine interessiert.
“Wenn es alles kann, kann es dann auch fliegen?”
“Wie ein Vogel.”
“Kann es einen reich machen?”
“Wie gesagt, es kann alles.”
“Wirklich? Das ist ja ausserordentlich.”
“Kann es – ich trau mich kaum zu fragen – aber kann es auch durch die Zeit reisen?”
Der Professor nickte mit hell erleuchteten Augen.
“Erstaunlich. Kann es denn auch ein Gemälde malen?”
“Besser als jeder Künstler.”
“Und einen Roman schreiben?”
“Sie würden sich wundern.”
“Ein Lied komponieren?”
“Sie können so viel fragen, wie sie wollen. Meine Antwort wird immer ja sein. Es kann einfach alles.”
“Das ist ja kaum zu glauben.”
“Aber es ist so.”
“Interessant. Könnten Sie mir das demonstrieren?”
“Natürlich. Was soll es denn machen?”
“Ich hätte gerne einen Kaffee.”
“Wie Sie wünschen, Herr Klump.” Der Professor drehte sich zu seiner Maschine um. “Maschine. Herr Klump möchte einen Kaffee.”
Die Maschine ratterte kurz und spuckte einen kleinen Zettel aus.
Der Professor nahm ihn in die Hand und las laut vor: “Ich könnte, wenn ich wollte. Aber ich habe keine Lust.”
Herr Klump nickte schwer beeindruckt.
“Fantastisch. Weigern kann es sich also auch.”

 

Der Equinoflux von Daniela Rohr

„Captain Decker! Der Hyperogluxbeschleuniger passt nicht in den Holoquantentransponder!“, rief Commander Krabotzki bestürzt.
„Was? Das ist unmöglich! Versuchen Sie den Quantumdunster als Zwischenstück und befestigen Sie den Ionenfranser am Ende des Wextunadyx. Das müsste funktionieren.“
Commander Krabotzki folgte den Anweisungen des Captains und steckte die einzelnen Komponenten ineinander. Sie passten. Doch sobald er sie losließ, fiel alles auseinander. Krabotzki wischte sich den Angstschweiß von der Stirn. Ihr Überleben hing davon ab, diese Teile miteinander zu verbinden.
„Aber Captain! Es hält nicht zusammen.“ Captain Decker und Commander Krabotzki blickten sich sorgenvoll in die Augen. „Was sollen wir jetzt machen?“
„Versuchen Sie es mit Draht zu befestigen“, sagte der Captain bestimmt.
„Wir haben keinen Draht mehr. Die letzten Reste stecken im Actipluskondensator.“
„Dann sind wir verloren.“
Die beiden Astronauten seufzten – jeglicher Hoffnung beraubt. Ohne einen funktionstüchtigen Antrieb war ihr Schicksal besiegelt. Sie saßen auf der lebensfeindlichen Oberfläche des Planeten Krux fest und langsam aber sicher ging ihnen der Sauerstoff aus. Doch das war nicht ihr einziges Problem. Von außerhalb des Raumschiffes drangen bereits die rhythmischen Klänge der Außerirdischen an ihre Ohren. Sie kamen immer näher. Und ihre einzige Absicht bestand darin, die beiden glücklosen Weltraumfahrer zu ermorden.
„Nein!“, rief Commander Krabotzki entschlossen. „Wir werden nicht auf diesem Drecksplaneten verrotten! Wir werden das schaffen! Ich brauche nur Etwas um die Einzelteile des Antriebs miteinander zu verbinden. Irgendetwas muss es doch geben!“
Krabotzki und Decker sahen sich aufmerksam im Kommandodeck um.
„Klebeband!“, rief Captain Decker entzückt. „Hier.“ Er griff sich die Rolle Klebeband und warf sie gekonnt seinem Commander zu.
„Wird das halten?“
„Es ist unsere einzige Chance.“
Commander Krabotzki nickte entschieden und begann die Bestandteile des Antriebes mit Klebeband zu befestigen. Es war nicht schön, aber es sollte halten. Sie nickten sich angespannt zu.
„Beten Sie, dass es funktioniert, Commander.“ Captain Decker legte den Schalter um und plötzlich erstrahlten auf dem Kommandodeck sämtliche Lichter. Sie hatten es geschafft. „JA!“ Jubelgeschrei drang aus dem Raumschiff in die unbewohnbaren Weiten des Planeten Krux. Und sie blieben nicht ungehört.
„Ich werde versuchen den Kontakt zur Erde herzustellen“, sagte Decker und setzte sich das Headset auf. „Hier spricht Captain Decker vom Raumschiff Trinitus. Wir haben den Antrieb repariert und werden nun den Start einleiten. Aber wir haben ein Problem mit unserem Sauerstoff. Bitte um Anweisungen. Ende.“ Er lauschte gespannt, doch auf eine Antwort warteten sie vergebens. Commander Krabotzki starrte ihn hilflos an. „Das gibt es doch nicht!“ Verärgert warf der Captain das Headset auf den Boden und prüfte wortlos seine Geräte.
„Je länger wir hier verweilen, desto weniger Sauerstoff bleibt uns für die Heimreise, Captain. Wir müssen sofort starten!“
Doch der Captain starrte nur entsetzt auf die Sauerstoffanzeige.
„Oh mein Gott.“
„Captain? Was ist los?“
„Wir verlieren Sauerstoff, Krabotzki. Irgendwo muss ein Leck in der Außenhülle sein.“
Sie blickten sich hektisch um.
„Da!“, schrie Krabotzki und zeigte auf ein winziges Loch in der Wand. Er drehte sich zum Captain um. „Klebeband?“
„Klebeband.“ Krabotzki zückte die Rolle Klebeband und verklebte das Loch.
„Jetzt aber nichts wie weg hier.“ Der Captain startete die Maschinen. „Möge Gott uns gnädig sein.“ Doch es passierte nichts. „NEIN!“, schrie er zornig.
„Captain! Das Klebeband hält nicht. Wir werden es nie nach Hause schaffen!“
„Setzen Sie die Sauerstoffmaske auf, Krabotzki“, grummelte der Captain streng.
„Aber Captain! Wir haben nur noch eine übrig.“
„Das war ein Befehl! Wenigstens einer von uns muss überleben.“ Plötzlich wummerte das gesamte Raumschiff durch die immer lauter werdenden Bässe der nahenden Außerirdischen. Krabotzki setzte widerwillig die Sauerstoffmaske auf und blickte seinem Captain unglücklich in die Augen.
„Es war mir eine Ehre unter Ihnen dienen zu dürfen, Captain.“
„Die Ehre ist ganz auf meiner Seite.“
Und dann öffnete sich plötzlich die Luke und das grässlichste Wesen, das je das Licht der Welt erblickte, steckte seinen Kopf ins Kommandodeck und stierte die beiden Astronauten unheilvoll an. Grüner Schleim tropfte dem Wesen vom Gesicht und dicke Gläser umrandeten die hervorquellenden riesigen Augen des Ungeheuers. Silbrig schimmernde Strähnen schienen dem außerirdischen Wesen aus dem Kopf zu wachsen und standen wie kleine Antennen von der Kopfhaut ab.
Captain Decker und Commander Krabotzki schrieen entsetzt auf. Sie hatten noch nie etwas derart Widerwärtiges und Boshaftes gesehen. Die langen roten Krallen schnellten in das Raumschiff hinein und griffen gierig nach dem Equinoflux. Commander und Captain sahen sich verängstigt in die Augen. Ihr Todesurteil war besiegelt.
Voller Zorn blitzten die Augen des Außerirdischen auf und fixierten Captain Decker.
„Harald!“, schrie das Wesen. „Wie oft hab ich dir schon gesagt, dass du meine Küchengeräte nicht für deine Weltraumspielchen benutzen sollst! Ihr wickelt jetzt sofort das Klebeband von meinem Toaster und stellt alles dorthin zurück, wo ihr es hergenommen habt! Ist das klar? ... In zehn Minuten gibt es Mittagessen.“ Sie klemmte sich den Mixer unter den Arm und kletterte die Leiter des Baumhauses herunter. Harald Decker und Klaus Krabotzki blickten sich beschämt an, während vom Garten her die zornige Stimme von Haralds Mutter erschallte: „JULIA! Stell endlich diese fürchterliche Technomusik ab! Das Gewummer hält doch kein Mensch aus!“

Zwei Spaziergänger von Jutta Schönberg

Nach der Kirche machte Adele einen Spaziergang. Sie lenkte ihre Schritte zur Bungalowsiedlung am Hang, hinter der das kleine Wäldchen begann. Wir herrlich ruhig es hier war. Nur die Vögel zwitscherten dem Frühling entgegen.
Die letzten Tage waren warm gewesen und die Pflanzenwelt war quasi explodiert.
So wollte Adele nun die Gärten bewundern. Doch zunächst hob sie ihren Blick zum Himmel, wobei die helle, bereits kräftige Sonne die Haut ihres Gesichts umschmeichelte. Ein leises, laues Lüftchen wehte und Adeles Herz jubelte dem Frühling zu. Langsam ging sie an den Gartenzäunen entlang und labte ihre Augen an dem prallen Grün des Rasens. Lila Krokusse und gelbe Glockenblumen gaben einen herrlichen Kontrast dazu. Ostersträucher waren bereits voll erblüht. Auf einem Beet wiegten sich rote Tulpen. An den Bäumen wagten sich die ersten zarten Blüten in Weiß und Rosa hervor.
Die Farbenpracht hob Adeles Herz. Tief sog sie die duftgeschwängerte Luft in ihre Nase. Sie vermeinte die Farbensinfonie sogar zu riechen. Noch einmal öffnete sie die Augen weit, um die bunt gewordene Welt ganz in sich aufzunehmen. „Ja, Gott gibt es wahrhaftig“, dachte sie. „Wer als Er hätte eine so wundervolle Welt erschaffen können, die die Herzen Seiner Geschöpfe so jubilieren und Ihn preisen lässt?“

Hrdlacek näherte sich vorsichtig dem Waldrand. Was für eine kalte, ungemütliche Welt! Die Luft konnte er zwar gerade noch so atmen, aber sie war verpestet durch den Gestank der Pflanzung, in der er sein Schiff auf einer Lichtung geparkt und versiegelt hatte. Ein eisiger Windstoß ließ ihn frösteln. Er trat aus dem Wald heraus in eine bleiche, kraftlose Sonne. Was er jenseits des Waldes sah, traf ihn wie ein Schock. Er blickte auf eine Anzahl von aufgeworfenen Höhlen, die wahrhaftig eckig anstatt rund waren! Die Tiere auf diesem Planeten mussten verrückt sein. Aber das war nicht das Schlimmste. Die Höhlen waren umgeben von einer Kakophonie von Farben. Flecken von Lila bissen sich mit Gelb und Grün. Als Gipfel des ganzen wogte auch noch ein Feld von Rot. Hrdlacek musste die Augen schließen, so sehr schmerzten ihn die Farben. Dazu traf ihn nun ein beißender Geruch. Hrdlacek grauste es. Wahrhaftig, der Schöpfer dieser Welt musste ein wahnsinniger Dämon sein.

Vor sich hin sinnend wanderte Adele an den Gärten entlang. Dann richtete sie ihren Blick dem Wäldchen zu. Nanu, was war denn das? Ihr entgegen kam ein Hund. Aber irgendetwas war komisch an ihm. Er sah aus wie eine Mischung zwischen einem überdimensionierten Mops und einem bulligen Kampfhund. Adele mochte Hunde. Und so empfand sie keine Angst, sondern reine Neugier. Lächelnd ging sie dem Geschöpf entgegen.

Langsam gewöhnte sich Hrdlacek an die grässliche Farbpalette und er konnte einzelne Dinge unterscheiden. Vor ihm lag offensichtlich so etwas wie ein Weg. Vorsichtig wanderte er ihn entlang. Nanu, was war denn das? Da kam ihm doch etwas entgegen. Es war tatsächlich ein Zweibeiner. Was für ein Glück! Zweibeiner waren gut. Dieser Zweibeiner hatte zwar eine merkwürdige Haut, die ihn eher umschlotterte als einhüllte, aber sie war wenigstens wohltuend hellbraun und nicht so knallig wie die Umgebung.

Adele kam dem Hund jetzt so nahe, dass sie Einzelheiten erkennen konnte. Plötzlich hielt sie vor Entsetzen inne. Was hatte man diesem armen Tier angetan?! Anstatt zwei Augen hatte es mehrere rund um den Kopf! Das konnte nur das Werk der Gentechnik sein. Eine Firma, die dieses sündhafte Tun betrieb, war hier ganz in der Nähe. Adele schwankte zwischen Grausen und Mitleid. Doch die Zuwendung zu den Geschöpfen siegte. Adele beugte sich hinunter und säuselte beruhigend: „Komm her mein Kleiner. Was haben dir denn böse Menschen angetan? Komm her zu mir und lass dich mal anschauen. Nein, ich tu dir nichts. Lass dich ein wenig streicheln.“

Hrdlacek näherte sich dem Zweibeiner. Zweibeiner waren prima. Dieser Zweibeiner krümmte sich plötzlich in der Mitte und stieß fürchterlich quietschende Töne aus. Hrdlacek fuhr zusammen und machte seine Ohren zu. Doch das Gequietsche drang ihm durch und durch. Schließlich rappelte er sich wieder auf. Er wusste doch wie er diese Geräusche beenden konnte. Und Zweibeiner waren sowieso lecker. Hrdlacek machte einen Riesensatz auf den Zweibeiner zu und biss herzhaft in die köstlichste Stelle: den oberen Tentakel. Gleich darauf sprang er aufjaulend zurück. Was für ein widerlicher Geschmack! Entsetzt wendete sich Hrdlacek ab und rannte auf das Wäldchen zu. Er wollte nur noch diese Horrorwelt verlassen, in der sogar die Zweibeiner schmeckten wie ein verdorbener Schwamm aus dem eklige Flüssigkeit spritzte. Er würde seine Artgenossen davor warnen, sich jemals wieder hierher zu wagen.

ÜBER DAS STERNFAHREN von Mark Stefan Tänzer

Die lange Pipette an der Spitze des Messgerätes hätte unter anderen Umständen sicher ein leises ’Blupp!’ oder ’Plopp.’ von sich gegeben, aber gemäß dem kleinen Einmaleins der Raumfahrer hörte man davon schließlich ohne jede Atmosphäre nicht viel. Das gestaltete die Entnahme der Wasserprobe aus dem kleinen Tümpel, der eher eine bessere Pfütze war, inmitten dieser elenden Schutthalde aus rotem Stein auch nicht unbedingt aufregender. Nur ein paar silbrige Schlieren blieben vom Eintauchen der Pipette auf der glänzenden Wasseroberfläche zurück.
„Keine Toxine, keine Algen, keine Einzeller, keine Spur von Mikroben ...“, zählte Doktor Jani Küschner lakonisch auf.
„Keine Fische?“, juxte Leutnant Harwald von seinem gemütlichen Sitzplatz auf einem platten Felsklotz aus, was ihm nicht einmal mehr ein gelangweiltes Stöhnen über den Mikroempfänger seines Helmes einbrachte.
„Ist es trinkbar?“, schaltete sich der Kapitän ein, der gerade mit einem Fernglas den kargen Horizont der öden Steinkugel, auf der sie gelandet waren, betrachtet hatte.
„Ja ... Spuren von Eisen. Und ein paar Natriumverbindungen. Völlig harmlos.“, seufzte Doktor Küschner und richtete sich müde auf, wobei sie sich ächzend bemühte, wieder etwas Leben in ihre steifen Glieder zu massieren. „Ich hätte nur gedacht ...“, murmelte sie enttäuscht in sich hinein.
„Dass es hier Leben geben könnte?“, Bernd Harwald zog hinter der Plastechscheibe seines Raumhelms eine Grimasse, „Jani, es ist bemerkenswert genug, dass es hier flüssiges Wasser gibt – aber 15B da oben am Himmel hat eine viel zu hohe Strahlung, als dass hier irgendwelche knuddeligen Pantoffeltierchen herumpaddeln könnten. He, ich habe keinen Doktortitel, und ich weiß, dass weiße Zwerge nicht eben die perfekte Vorraussetzung für Leben bieten.“
Jani warf ihm nur einen missmutigen Blick zu und blies mit finsterer Miene eine schwarze Strähne von ihrer Nase, die sich von dem Knoten in ihrem Nacken freigekämpft hatte.
„Vielen Dank für die Lektion, Leutnant! Jetzt weiß ich wenigstens endlich, was ihre Aufgabe in dieser Mission hier ist. Sie halten die Moral aufrecht.“
„Und sammele Steinchen.“, fügte Bernd unbekümmert hinzu. Zum Beweis griff er in die durchsichtige Tasche, die ihm von der Hüfte hing und warf einen unscheinbaren roten Kiesel in die Höhe, den er trotz seiner schweren Raumhandschuhe geschickt wieder auffing.
„Kinderchen, lasst die Streiterei!“, stöhnte Kapitän Nathan Harwald und versuchte seinen Sohn und seine künftige Schwiegertochter strafend anzustarren, „Wir haben hier eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Es ist nicht der hübscheste Planet im Universum, das will ich gerne zugeben. Und Leben gibt es hier ebenso wenig wie auf allen anderen Himmelskörpern, die wir je besucht haben. Wahrscheinlich gibt es dort draußen auch gar kein anderes Leben als unsereins. Aber macht das wirklich einen Unterschied? Unsere Leute auf der Barnabas zählen auf uns. Das ist wichtig. Rohstoff- und Wasservorkommen ausfindig zu machen, Siedlungsstandorte ...“
„Wir waren bei der Missionsbesprechung dabei, Vater.“, maulte Bernd, „Und bei der davor ... und der davor ... Aber das ändert nichts daran, dass Erkundungsausflüge auf Felsbrocken öder sind als die Morgenmesse des reformierten Ordens.“
Die Jugend von heute! Kapitän Harwald bemühte sich redlich, den drohenden Gesichtsausdruck aufrechtzuerhalten, doch seine Mundwinkel wanderten so unaufhaltsam nach oben wie ein Planet um seine Sonne kreisen musste.
„Das Reisen zwischen den Sternen besteht nun mal nicht nur aus ...“, Jammern, Heulen und Zähneklappern drang über die Mikroempfänger an sein Ohr.“, Nathan schmunzelte, „Kinderchen, ich ziehe euch doch nur auf. Wollt ihr wirklich Abenteuer? Dann schaut mal nach oben!“
Sein in dicken Schutzhüllen vermummter Finger zeigte auf den funkelnden Sternenhimmel unter dem grünen Schleier des Sirenennebels. Das gleißende Licht über ihnen war 15 B, eine leuchtende blauweiße Murmel, die ihrer schlichten Bezeichnung spottete. Noch imposanter in Nathans Augen war jedoch der plumpe rechteckige Kasten mit den schimmernden Solarflügeln, der ihr aller Heim war.
„Sagt nicht, dass das kein tolles Panorama ist! Und Abenteuer? Ihr Grünschnäbel, das alles hier ist ein Abenteuer! Der Mars war ein Abenteuer für die ersten Menschen dort – und der Erdtrabant ... und mehr als Steine gab es dort auch nicht. Und wir? Wir irren hier durch eine völlig neue Galaxis, abgeschnitten vom Rest der Menschheit seit wir uns hierher verirrt haben. Jeder Schritt ist ein Abenteuer! Wir gehen dorthin, wo .... wo...“
Unbeholfen rang er um die passenden Worte. Diese Reden waren nicht so sein Ding.
„... nie ein Mensch zuvor gewesen ist?“, half ihm Jani verschmitzt lächelnd auf die Sprünge.
„Und jetzt wissen wir endlich auch warum.“, frotzelte Bernd und deutete in einer übertriebenen theatralischen Imitation der Geste seines Vaters auf die leere Ödnis. Aber in seinen braunen Augen blitzte Heiterkeit.
„Großer Sternenmann!“, ächzte Nathan Harwald in gespielter Verzweiflung, „Mit der Disziplin geht es auch immer weiter bergab. Wisst ihr, ich glaube die alten Militärs auf der Erde wussten schon, warum sie es vermieden, Verwandte verschiedenen Ranges zusammen ihren Dienst ausüben zu lassen ...“
„Stimmt ...“, pflichtete ihm sein Sohn mit nachdenklichem Gesicht bei, „Wir sollten wirklich Onkel Walla oder Cousin Gert fragen, ob sie den nächsten Ausflug leiten wollen.“
Janis Kichern unterbrach seine Ausführungen ... Nathan schüttelte lachend seinen verfrüht ergrauten Kopf so gut es der klobige Helm zuließ und brachte mit einem gebieterischen Räuspern die beiden jungen Kasper zur Ordnung zurück.
„Wird wirklich höchste Zeit, dass wir mal wieder eines der anderen beiden Schiffe besuchen.“, brummte er gutgelaunt, „So – und jetzt wollen wir uns doch mal diesen Hügel da hinten anschauen ... Wer weiß, was sich da so alles finden lässt.“
„Steine?“, fragte Bernd unschuldig, doch der alte Mann schaffte es schließlich, seine Mannschaft abmarschbereit zu bekommen. Wenig später trotteten sie schon wieder über die staubige rote Ebene.
Der kleine Teich wartete ein kurzes Weilchen, ehe er aus seiner bequemen Kuhle herausquoll. Er verabschiedete sich freundlich von dem platten Felsklotz neben sich und machte sich dann neugierig daran, den drei eigenartigen fremden Wesen hinterher zu fließen.

Der Anfang von Josef Herzog

Der junge Mann schleppt sich mühsam über den heißen Sand. Immer wieder fällt er, immer wieder erhebt er sich schwerfällig, angetrieben von einem einzigen Gefühl, das wie Feuer in seinen Adern brennt.
Er keucht, er schreit, sein Gesicht ist eine einzige, verzerrte Grimasse des Zorns. Flüche dringen zwischen seinen staubtrockenen Lippen hervor. Er hebt den Knüppel in seiner rechten Hand, droht zum Himmel, über den wie eine riesige Herde träger Tiere Schwefelwolken ziehen. Aus der Ferne dringt tiefes Donnergrollen zu ihm herüber. Er kämpft sich weiter vor, Schritt für Schritt stellt er sich dem Sand entgegen, der ganzen Welt. Der Mann heult wie eine unendlich leidende Kreatur auf, als er den Geruch des Anderen wahrnimmt, dessen Gestalt als dunkler Schatten vor ihm erscheint. Er schreit, stürmt auf ihn zu.

Der Kampf ist nur von kurzer Dauer. Unbewaffnet ist der Andere, aber viel stärker und schneller. So kann der Gegner seinem ersten, mächtigen Schlag ausweichen, ihn selber zu Boden strecken.
Warmes Blut rinnt über seine Lippen, er saugt es gierig ein.
Blut voller Zorn und Hass. Das grinsende Gesicht des Anderen erscheint über ihm, das Siegesgeheul dringt wie Hohn in seinen Ohren.

Der Andere atmet jetzt ganz ruhig, streckt ihm die leere Hand entgegen.
„Ich werde dich nicht töten. Ich werde meinen eigenen Bruder nicht töten, dies wäre Unrecht!“, sagt der Andere und stößt den Knüppel, der neben ihm liegt, mit dem nackten Fuß fort.
Er starrt entsetzt auf die Hand, die ihm der Andere immer noch entgegenhält. Diese verfluchte Hand, diese verfluchte, sanfte Stimme voller Mitleid. Wenn er nur aufstehen könnte, wenn er nur die Kraft besäße, ihn endlich zu töten!

Das helle Licht, das wie ein Blitz hinter seinem Bruder auftaucht, blendet ihn. Dann kann er die Gestalt erkennen, die im Hintergrund aus dem Nichts erscheint. Nie zuvor hat er so ein silbernes, unförmiges Wesen gesehen. Auch sein Bruder bemerkt, dass sein Blick nicht mehr auf ihn gerichtet ist. Aber bevor dieser sich umdrehen kann, hat der Fremde schon den Knüppel vom Boden aufgehoben.
Unendlich langsam nimmt er wahr, wie die silberne Gestalt mit beiden Händen ausholt. Er hört, wie der Knüppel den Hinterkopf seines Bruders trifft, wie dessen Knochen zersplittern. Mit überraschtem Gesichtsausdruck fällt sein Gegenüber zu Boden wie ein entwurzelter Stamm.

Es fällt ihm schwer, den Blick von dem Blut abzuwenden, welches nun unaufhörlich wie ein heiliger Strom aus dem Hinterkopf seines Bruders sprudelt und im gierigen Wüstensand versickert. Die silberne Gestalt ist fort.
Ein tiefes Donnern lässt die Erde erzittern. Er blickt zum Himmel und entdeckt den gleißenden Lichtpunkt, der rasch kleiner wird und schließlich ganz hinter der dichten Wolkendecke verschwindet.
Seine Glieder schmerzen höllisch, als er sich auf den heißen Sand kniet und zu seinem Bruder hinüberkriecht.
„Abel!“, ruft er leise, „Abel …“


1. Platz ("Pismis 24 im Emissionsnebel NGC 6357") von Daniela Rohr

2. Platz ("Call of Demons") von Manuela Forst

3. Platz  ("Herr der Welten") von Björn Werner