STARLIGHT UNION

Club für Science Fiction, Fantasy und Phantastik              

LIEBE BESUCHERIN / LIEBER BESUCHER!

Von 1983 bis 2010 erschienen insgesamt 87 gedruckte STARLIGHT-Ausgaben, inclusive diverser Beilagen und Sonderpublikationen - zudem eine digitale Ausgabe. Seit 2011 ruhen fast alle Clubaktivitäten, da alle ehemals Aktive durch private oder berufliche Veränderungen anderweitig gebunden sind. Von den Seiten dieser Homepage werden daher zur Zeit nur noch regelmäßig gepflegt:

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Z E I T R E I S E

(aus den Geleitworten zum 25. Jubiläum im Jahre 2008) 

Als Tina Gutscher am 07.07.1983 während ihrer Geburtstagsfeier die Starlight Union aus der Taufe hob, wurde gerade in den USA eine Erfindung vorgestellt, welche aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken ist. Mit einem Gewicht von 800 Gramm wog das Gerät fast so viel wie eine Flasche Wasser. Es war länger als eine Din-A4-Seite und kostete damals zur Markteinführung rund 3500 Dollar.

Das erste Handy von Motorola, das sein Designer Martin Cooper der Form wegen liebevoll ‚Stiefel-Phone’ nannte, verschwand schnell wieder vom Markt. Zehn Jahre später allerdings waren die ersten mobilen Telefone klein genug für die breite Masse der Verbraucher. Heute sind rund 3,3 Milliarden Handys weltweit im Einsatz. 80 Prozent der Weltbevölkerung hat Anschluss an ein Netz. Sendemasten stehen fast überall auf der Welt – sogar auf der Spitze des Kilimandscharo. Davon konnte Captain James T. Kirk in der TV-Serie ‚Enterprise’ nur träumen. Obwohl sein Raumschiff mit Überlicht unterwegs ist und einen ‚Transporter’ zum ‚beamen’ hat, wirken die damaligen Kommunikatoren neben einem modernen iPhone heute recht antiquiert. Dies zeigt das viele Zukunftsvisionäre wohl die richtigen Tendenzen erkennen, niemals aber alle ‚mikrogesellschaftlichen’ Entwicklungen hochrechnen können. Der ‚Star Trek’-Erfinder Roddenberry hätte es wohl kaum für möglich gehalten, das man heutzutage Millionen Euro mit simplen Klingeltönen verdienen kann …

In der ersten Starlight-Ausgabe fand sich dann auch eine Story welche auf der Enterprise spielte und wie so oft in Tinas Geschichten eine ‚starke Frau’ in den Mittelpunkt stellte. Soweit war die SF-Serienrealität des Jahres 1983 (zumindest in Deutschland) allerdings noch lange nicht. Die ARD hatte damals zum Jahreswechsel gerade die US-Serie ‚Der Mann aus dem Meer’ als Deutschlandpremiere gesendet. Und viele der in den 70ern produzierten ausländischen SF-Serien hatten ihren Weg in die Bundesrepublik noch gar nicht gefunden.

Anders im Kino: Ridley Scotts ‚Bladerunner’ brach endgültig mit der bis dahin oft so sauberen sterilen Welt der Science Fiction. Zusammen mit den ersten ‚Akira’-Comics und William Gibsons utopischem Roman ‚Neuromancer’ begründete der Film eine weitere Spielart der SF, den Cyberpunk, der dem Genre in den nächsten Jahren viele neue Impulse geben sollte. Mit ‚Der dunkle Kristall’ kam auch ein wundervoller Fantasyfilm auf die Leinwand, dessen Faszination man sich selbst heute noch, nach 25 Jahren, nicht entziehen kann. Die von Jim Henson und Frank Oz geschaffene Puppenwelt der Skekse, Gelflinge, Garthim und Padlinge zeigte uns das Ur-Fantasy-Thema ‚Hell gegen Dunkel’ aus einer ganz eigenen Perspektive.

In Starlight Nr. 1 nahm sich Claudia Laue ebenfalls dieses Themas an. Ihre Hexe Men’essia ist zunächst ein Werkzeug des Höllenfürsten Asmodis, schließt dann jedoch Freundschaft mit einem ‚Druiden vom Silbermond’. Aus Liebe zu ihm wandelt Men’essia sich langsam zum Guten und wird zu einer Weißen Hexe, einer Kämpferin für das Licht. Schlussendlich gerät sie aber doch in eine Falle des Höllenfürsten und wird von ihm getötet. Doch wie schreibt die Autorin zum Ende der Geschichte (und bringt damit das Wesen der Fantasy auf den Punkt): „Aber der ewige Kampf, seit das Universum entstand, wird weitergehen, bis das Universum aufhört zu existieren. Und niemand kann wissen, wer am Ende den wahren Sieg davontragen wird.“

Die Welt des Jahres 1983 sollte, zumindest nach dem Willen vieler Politiker, ebenfalls in dieses ‚Gut’ und ‚Böse’ Schema passen. Seit dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan Ende 1979 war der ‚Kalte Krieg’ wieder ‚eisig’ geworden - und mit dem neuen US-Präsidenten Ronald Reagan hatte die westliche Welt einen Hardliner der (wirklich) ‚alten Schule’ zum Oberhaupt bekommen. In Deutschland konnten auch die Demonstranten der Friedensbewegung (bis zu 1,3 Millionen Menschen waren damals in Westberlin, Hamburg, Bonn und Stuttgart auf den Beinen!) die neue Aufrüstung nicht verhindern. Doch selbst in den USA formierte sich friedlicher Widerstand und forderte, mit Unterstützung der katholischen Bischöfe, ein ‚Einfrieren’ der nuklearen Rüstung.

1983 machte dann ein Film von sich reden, der die Ängste vor einem atomaren Holocaust mit einer der neusten technischen Entwicklungen der damaligen Zeit verband: dem Computer! Im Film ‚War Games’ betätigt sich der Schüler David Lightman (Matthew Broderick), lange bevor man an die Möglichkeit eines Internets dachte, bereits als Hacker. Dabei landet er zufällig in einem System, in dem man merkwürdige Spiele wie "Weltweiter thermonuklearer Krieg" spielen kann. Was er allerdings nicht ahnt: Es handelt sich hier um keine Simulation, sondern er hat sich direkt im Rechner des US-Verteidigungsministerium eingeloggt. Der Computer mit dem unschuldigen Namen "Joshua" erlangt daraufhin ein Eigenleben und will das Spiel nun unbedingt zu Ende spielen. Ein Sieg würde für die Erde den dritten Weltkrieg und den atomaren Overkill bedeuten...

Auch die Realität konnte kaum spannender sein: Am 26.09.83 erhält ein Offizier der russischen Luftüberwachung eine Warnmeldung über anfliegende Raketen. Er entscheidet sich jedoch die Meldung nicht weiterzuleiten und verhindert so einen nuklearen Gegenschlag der Sowjetunion. Der Alarm stellt sich später als Fehlalarm heraus; Verursacher waren von Satelliten fehl gedeutete Reflexionen auf Wolken in der Nähe einer amerikanischen Abschussbasis.

Das Jahr 1983 brachte neben der Erstauflage von STARLIGHT noch andere literarische Premieren mit sich. So kürte das Time Magazin zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Maschine zum „Mann des Jahres“: den Computer!
Und tatsächlich stand 1983 ganz im Zeichen des Volkscomputer 64 von Commodore . Die Markteinführung in Deutschland stand an, nachdem der C64 schon 1982 in Amerika präsentiert worden war. Schnell hatte sich für ihn der liebevolle Name ‚Brotkasten’ eingebürgert. Für rund 1300 DM konnte man das Gerät damals erwerben – ebensoviel kostete das Floppy-Laufwerk. Doch das Gerät wurde schnell günstiger und die Erfolgsstory eines Technologiewunders begann …

Eine andere ungewöhnliche Erfolgsgeschichte war im Jahre 1983 hingegen fast an ihrem Ende angelangt. Bereits Mitte der 70iger Jahre als deutsche ‚Untergrundbewegung’ entstanden, feierte die ‚Neue Deutsche Welle’ ab 1981 große Erfolge. Interessanterweise wurde auch diese ‚musikalischen Revolution’ letztendlich durch den Einsatz neuer Technologien möglich: soundspezifisch bildeten nämlich die ersten Synthesizer, die in jenen Jahren endlich zu erschwinglichen Preisen auf den Markt kamen, die Klangbasis für viele der populärsten Werke. Ursprünglich an der britischen Punk- und New-Wave-Musik orientiert, entschied sich ein Teil der Bands bereits früh für eine originäre Formenlinguistik, die stark geprägt war von der (im Vergleich zum Englischen) ‚kantigeren’ Rhythmik unserer deutschen Muttersprache. Darüber hinaus waren die übermittelten Texte recht ‚sinnfrei’ und selbst in der englischsprachigen Fassung leicht vor sich hinzuträllern: „Da Da Da I Don’t Love You You Don’t Love Me Aha Aha Aha“ …

Dahingegen bot die Ende 1983 erschienene 2. Ausgabe von STARLIGHT mit dem dort veröffentlichten ‚Wanderlied der Hobbits’ ein echtes literarisches Schmankerl. Überhaupt kam in diesen frühen Jahren unseres Clubmagazins die Lyrik immer stärker zum Zuge. Und in dem Gedicht ’Die letzte Frage’ von Tina Gutscher spiegelt sich auch die Figur des ‚NDW-Major Tom’ wieder, wenn in der englischen Fassung sich der durch den Kosmos reisende Protagonist immer wieder die gleiche Frage stellt: „What lies beyond?“

Ob Ulf Merbold sich ebenfalls diese Frage stellte, als er am 28. November 1983 als erster Westdeutscher mit der Raumfähre ‚Columbia’ ins All aufbrach? Mit der damalige ‚STS-9’-Mission wurde nämlich wieder einmal Raumfahrtgeschichte geschrieben, da mit dem Space Shuttle auch zum ersten Mal das Raumlabor SPACELAB auf die Reise ging. Bis zu seiner Außerdienststellung im Jahre 1988 sollte es noch insgesamt 22 mal eingesetzt werden. Der Physiker Merbold kehrte ebenfalls noch zwei weitere Male ins All zurück.
In seiner Person manifestierte sich dann für die Öffentlichkeit auch jener Wandel, welcher die bemannte Raumfahrt seit Ende der Apollomissionen erfasst hatte: Längst schon avancierten nicht mehr Testpiloten zu Astronauten, sondern hoch qualifizierte Wissenschaftler gaben den Ton im All an. Und einer dieser Wissenschaftsastronauten, Sultan Bin Salman al-Saud, war es auch dem folgendes Zitat zugeschrieben wird:
„Am ersten Tag deutete jeder von uns auf sein Land. Am dritten oder vierten Tag zeigte jeder auf seinen Kontinent. Ab dem fünften Tag gab es für uns nur noch eine Erde.“